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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 208

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1931
Issue
Heft 2-3
Article
Zur Soziographie und Soziologie der Juden [Rezension]
Date
1931-01-01
Page
Seite 208 (sequence 2)
Language
German
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Literatur mir nicht zweifelhaft zu sein, daß dieser Gegenstand für die Juden kein einheitlicher ist, wie sehr auch die religiöse Gemeinschaft bestimmend für die Gestaltung der jüdischen Gesellschaft sein mag, sondern daß er sich im ganzen wie im einzelnen sehr verschieden darstellt, je nachdem welchem Kulturkreis, welcher Wirtschaft, welchem Staate die Juden jeweils angehören. Eine Soziologie der Juden schlechthin, die in vergleichender Untersuchung das Typische und Allgemeingültige für alle jüdische Vergesellschaftung herauszuarbeiten hätte, setzt deshalb ein sehr umfangreiches Material voraus, das zu einem guten Teile in der Literatur enthalten sein mag, aber zunächst einmal zusammengetragen und zu einer Soziographie der Juden verarbeitet werden muß. Erfreulicherweise mehren sich in neuerer Zeit die Beiträge zu einer solchen Soziographie, nachdem Arthur Ruppin bereits vor mehr als fünfundzwanzig Jahren in seinem Buche „Die Juden der Gegenwarf' den Versuch gemacht hatte, ein Gesamtbild der sozialen Verhältnisse der Juden zu geben. Dieses Buch ist heute materiell veraltet und durch die für einen Teil der Juden besonders umwälzenden Ereignisse der letzten beiden Jahrzehnte in wesentlichen Stücken überholt. Deshalb hat es Ruppin, der fast 25 Jahre hindurch die Siedlungsarbeit in Palästina geleitet, im Zusammenhange damit die ganze Weit bereist und das Judentum aller Erdteile aus eigner Anschauung kennen gelernt hat, unternommen, einen neuen Ueberblick über die Entwicklung und die gegenwärtige Lage der Judenheit zu geben und dadurch den Grund zu einer „Soziologie der Juden" zu legen. Der seit kurzem vorliegende erste Band seines großangelegten Werkes1) „Die soziale Struktur, der Juden" ist der Absicht nach das, was ich oben als Soziographie bezeichnet habe, während der hoffentlich bald folgende zweite Band unter dem Titel „Der Kampf der Juden um ihre Zukunft" die geistigen Kräfte und Kämpfe im Judentum schildern und also die dynamischen Potenzen aufzeigen soll, die die jüdische Gesellschaft bewegen und beherrschen. Ich sage ausdrücklich: der Absicht nach. Denn da Ruppin, um zu einer möglichst objektiven Darstellung zu gelangen, in erster Linie alle verfügbaren statistischen Quellen benutzt und ausgeschöpft hat, so mußten notwendigerweise diejenigen Gebilde der jüdischen Gesellschaft stark zurücktreten, deren Form und Struktur nicht oder nur ganz unzulänglich mit den Mitteln der Statistik geschildert werden können. Der Rahmen ist also wesentlich enger gezogen, als ich ihn einer Soziographie der Juden geben würde. Aber in diesem engeren Rahmen vermittelt das Buch einen Querschnitt durch die sozialen Verhältnisse der Juden in der Gegenwart, wie er in gleicher Vollständigkeit und in gleicher Materialfülle meines Wissens in der Literatur bisher auch nicht entfernt vorhanden war. Die Darstellung Ruppins ist in drei Abschnitte gegliedert: Herkunft und Rasse der Juden — Bevölkerungsstatistik — wirtschaftliche Verhältnisse der Juden. An den ersten Abschnitt ist R., wie er im Vorwort bekennt, nur mit Widerstreben herangegangen, obgleich er mit den Lehren der allgemeinen Anthropologie sehr wohl vertraut ist und sich mit der jüdischen Rassenkunde seit Jahrzehnten beschäftigt hat. Mit Unrecht! Denn das, was er auf engem Räume bietet, ist durchaus gelungen und in der Tat das, was als einigermaßen gesicherte Erkenntnis auf diesem schwankenden Boden betrachtet werden darf. Die Darstellung selbst beginnt mit der Zusammensetzung der Juden in Palästina aus den drei Volkselementen der Kanaaniter, Beduinen und Philister, bei denen drei Rassenkomponenten — die vorderasiatische, die orientalische, die mediterrane — aufgewiesen werden. Sodann folgt die Rassengeschichte der Juden außerhalb Palästinas. Es werden der westliche und der nördliche Wanderstrom verfolgt, die drei Engzuchtgebiete Babylonien, Spanien und Polen betrachtet und sodann der Versuch zur Scheidung der jüdischen Rassentypen in Stammtypen, Sondertypen und Fremdtypen gemacht. \vich die halbjüdischen Sekten (Konvertiten- und Proselyten-Gruppen) werden x) Arthur Ruppin, Soziologie der Juden. Erster Band: Die soziale Struktur der Juden, 522 S. und 32 Bildtafeln. Berlin 1930, Jüdischer Verlag G.m.b.H. 208

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