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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 2-3 · p. Seite 203

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1931
Issue
Heft 2-3
Article
Zur ostjüdischen Einwanderung in Preußen
Date
1931-01-01
Page
Seite 203 (sequence 10)
Language
German
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Miszellen — begonnen hat, zu verlieren haben? Er würde nach seiner ursprünglichen Heimath zurückgehn und seine hiesigen und auswärtigen Gläubiger ihrem Schicksale überlassen! Es scheint zwar, daß die Verfügung des Departements der allgemeinen Polizey v. 13 t. Juny 1814, nach welcher fremde Juden, welche sich in den diesseitigen Staaten niederlassen wollen, entweder eine der Landes-Industrie besonders ersprießliche Kunstfertigkeit besizzen oder ein Vermögen von 5000 rt. nachweisen müßten, — dem Einwandern armer Juden einigermaßen Schranken setze. Erwägt man aber, wie leicht es auch dem Aermsten wird, ein nahmhaftes Vermögen nachzuweisen, wenn er nur einen ihm augenblicklich wohlwollenden Wohlhabenden zum Freunde hat, und rechnet man hiezu, daß die Juden, wenn es darauf ankömmt, einen ihrer Glaubensgenossen zu poussieren, Alle für einen Mann stehen, und ihm um so lieber aus ihrem Vermögen, die erforderliche Summe zur augenblicklichen Ostentation anvertrauen werden, als der zu Poussierende diese Gefälligkeit doch nicht umsonst verlangen, vielmehr sich gern bereit finden lassen wird, sich mit einigen Procenten dafür abzufinden: so fällt jene scheinbare Sicherstellung für das Einwandern fremder Juden ganz weg. Die hiesige Kaufmannschaft kann daher nicht aufhören zu wünschen: daß ihrem Antrage, nur christlichen Kaufleuten den Eintritt in die Corporation zu gestatten, genügt werden möchte. Memel, den 2 t. May 1817. Die Comite der Kaufmannschaft. Hardenberg notiert auf diesem Schreiben am 12. Juni: „Ablehnend zu bescheiden, da der Antrag dem bestehenden Gesetz entgegen sei und wegen Memel eine Ausnahme nicht gemacht werden könne, ohne das Gesetz zu verletzen." In diesem Sinne erfolgt auch ein amtlicher Bescheid unter dem 20. Juni 1817. Miszellen Zur Statistik des jüdischen Schulwesens in Preußen um die Mitte des vorigen Jahrhunderts. Von A. Menes. Unter den Akten des Archivs des preußischen statistischen Landesamts über Judentaufen x) «befinden sich neben sonstigen statistischen Materialien auch einige Daten über die Schulverhältnisse der Juden in Preußen, und zwar für die Jahre 1847 und 1850, die hier zur Veröffentlichung gelangen. Die Akten enthalten nur allgemeine Angaben über die Zahl der jüdischen Kinder, die die jüdischen oder christlichen Schulen besuchten. Sie geben uns leider keine Auskunft über den Charakter der Schulen, insbesondere der jüdischen Schulen, wie über die Geschlechtsgliederung der Schüler, was gerade in diesem Falle von besonderem Interesse wäre, da anzu-!) III. Statistik C. d. bb. 2. Vol. 4. nehmen ist, daß die christlichen Schulen mehr von Mädchen als von Knaben besucht waren. Daß es sich bei den jüdischen Schulen zum Teil bloß um Ergänzungsschulen für den jüdischen Religionsunterricht handelt, beweist der Umstand, daß in einigen Regierungsbezirken die Zahl der Schüler der jüdischen und christlichen Schulen die Gesamtzahl der Kinder im schulpflichtigen Alter beträchtlich übersteigt. So zählte man im Regierungsbezirk Stettin im Jahre 1847 bei einer Gesamtzahl von 672 jüdischen Kindern im schulpflichtigen Alter 624 in den christlichen und 447 in den jüdischen Schulen. Aehnlich liegen die Verhältnisse in den Regierungsbezirken Köslin, Stralsund, Gumbinnen, Frankfurt a. O. u. a. In den meisten Fällen wird es sich indessen um normale jüdische Schulen handeln, wo die Kinder auch in den weltlichen Fächern unterrichtet wurden. 203

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