Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 144 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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mittelt und ohne Not werden solche völlig unwichtigen Mitteilungen den Artikeln angefügt oder in sie eingefügt, und manche Verfasser finden es sogar am Platze, in den eigenen Artikeln über die Gemeinde, in der sie wirken, selbstgefällig ihren Lebenslauf dem Leser aufzudrängen. Weniger wäre hier mehr gewesen, ebenso bei der Auswahl der Bilder (Ist es nötig, die Photographie desselben Rabbiners an einer Stelle mit, an anderer Stelle ohne Bart zu bringen?). Mir ist es sehr zweifelhaft, ob die Auswahl der Persönlichkeiten, die erwähnt oder gewürdigt wurden, auch wirklich eine glückliche war. Warum sind — um einige, die mir gerade einfallen, zu nennen — z. B. Ignaz Brüll, Moritz Steinschneider Nathan Porges u. a. überhaupt nicht genannt? In den Details gibt es, wie ich durch Stichproben feststellte, zahlreiche Fehler, die aufzuzählen der Raum verbietet. Vieles, vielleicht alles wäre vermieden worden, wenn die Redaktion größere Geschicklichkeit und Umsicht gezeigt hätte. Das Material wurde aber offenbar so genommen, wie man es bekam; Richtlinien für die einzelnen Aufsätze, die eine gewisse Konformität hätten ermöglichen können, bestanden nicht. Die Redaktion oder besser der Herausgeber können natürlich nicht jedes Detail nachprüfen, aber sie sollten doch nicht augenfällige Irrtümer (z. B., daß Gustav Karpeles in Loschitz geboren ist, obwohl der kurz vorher erwähnte Wirkungsort des Vaters im Geburtsjahre 1848 schwerlich einen Zweifel aufkommen lassen konnte, daß Eiwanowitz sein Geburtsort war) anstandslos passieren lassen. So entstand ein Kunterbunt in den Aufsätzen, das die Lektüre nicht erleichtert, in der Benutzung des Werkes zur Reserve mahnt. Aber man wird es immerhin, wenn auch mit Kritik, als die einzige Zusammenfassung für die Geschichte der Juden in Mähren gerne benutzen. Von besonderem Interesse sind der statistische Teil (die historischen Erörterungen, z. T. eine Wiederholung vieles in dem Werke bereits Gesagten, hätten ruhig fortbleiben können) mit Beiträgen von Leo Goldhammer und Theodor Haas sowie die Regesten von Robert König im Schlußteil. Josef Meisl. 144 Adolf Altmann, Geschichte der Juden in Stadt und Land Salzburg von den frühesten Zeiten bis auf die Gegenwart. 1. Band: Bis zur Vertreibung der Juden aus Salzburg 149S. XIX u. 273 S. Berlin 1913. 2. Band: Von der Vertreibung der Juden aus Salzburg (1498) bis zur Errichtung der israelitischen Kultusgemeinde Salzburg (1911). VIII u. 192 S. Sonderabdruck aus den Jahrbüchern der Jüdisch - Literarischen Gesellschaft zu Frankfurt a. M. Selbstverlag 1930. Salzburg war ein geistliches Fürstentum, weshalb es begreiflich ist, daß in der Stadt und im Stiftslande die Juden keine Rolle spielten. Wenn auch die Existenz solcher wahrscheinlich ist und sie in den zwar dem Erzbischof unterworfenen, jedoch ziemlich weit außerhalb des geschlossenen Stiftslandes gelegenen Städten Mühldorf, Friesach und Pettau schon früher nachgewiesen sind, stammt für die Städte Salzburg und Hallein die erste Nachricht erst von 1284 (die bezügliche Stelle ist im Text S. 42 unrichtig, wohl aber in einer Note S. 46 richtig interpretiert). Die Judengemeinde war sicher niemals bedeutend oder in einem Ghetto zusammengeschlossen. 1349 und 1404 fanden Verfolgungen statt, nach denen die Juden aber bald wieder zurückkehrten. Die von 1498 hatte dauernde Folgen. Erst 1791 wurde der Judenleibzoll für reisende Juden aufgehoben. 1867 ließ sich der erste Jude, Albert Pollack, dauernd nieder, der noch die Gründung einer eigenen Kultusgemeinde im Jahre 1911, die ungefähr zweihundert Seelen zählte, erlebte. Ihm ist der erste Band gewidmet. Man sieht aus dieser gedrängten Skizze, daß eine zweibändige Geschichte nicht recht angebracht und falsche Vorstellungen zu erwecken geeignet ist, wie auch der Titel selbst nicht zutrifft. Er sagt zu wenig, und man findet im ersten Bande entschieden viel mehr als man darin sucht. Altmann behandelt nicht nur die Geschichte der Juden im heutigen Land Salzburg, sondern im alten Erzstift, das, wie schon oben erwähnt, mehrere Exklaven besaß, ja in der alten Kirchenprovinz Salzburg (Metropolie) überhaupt, wie die Auswertung der Provinzialsynoden und die