Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 97 (sequence 17)
- Language
- German
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Julius Brutzkus. Oer Handel der westeuropäischen Juden mit dem alten Kiev von besonderer Wichtigkeit der Vorschlag der Schaffung von Professuren der hebräischen Sprache an den deutschen Universitäten. Er erinnert an das Verlangen Clemens V. (1305—14, die sogenannten Clementinen des Wiener Konzils 1311, s.o. S. 85) nach Gründung dreier Lehrstühle für Hebräisch, Chaldäisch und Arabisch, ein Plan, der niemals zur Ausführung kam, der sich aber wie ein roter Faden durch die Anfänge der Geschichte dieses Studiums zieht. Hoffte Clemens, eine dieser (außerdeutschen) Universitäten würde eine Uebersetzung des geheimnisvollen Talmud liefern, so stellt freilich auch Reuchlins Anregung die Sprache in den Dienst der Theologie und verfolgt ganz offen den praktischen Zweck, daß die also gelehrten Studenten „mit vernünfftigen und freuntlichen worten die juden künden und mögen senftmütigklich zu uns bringen". Jedenfalls war durch Reuchlins weitblickenden "Vorschlag der Boden für die weitere Entwicklung der Sprache geschaffen. Auch insofern muß sein Name in der Geschichte der hebräischen Studien genannt werden, als er die sogenannte sephardische Aussprache des Hebräischen, d. h. die der spanischen und portugiesischen Juden, inaugurierte, die auch der heutigen Aussprache in Palästina zugrunde liegt62). (Fortsetzung S. 180 ff.) Der Handel der westeuropäischen Juden mit dem alten Kiev Von Julius Brutzkus Die Mehrzahl der russischen Historiker, Klucewskij an der Spitze, legen in der Geschichte des Kiever Rußlands dem Handel die größte Bedeutung bei, sie sehen in ihm die Basis, auf der die staatliche Existens Kievs in der ältesten wie auch in der späteren Zeit beruhte, bis zur Zeit seines Verfalls infolge der Einfälle der Kumanen (Polowzy) und Tartaren. Nach der Eroberung Kievs durch die Mongolen hat sich der Schwerpunkt des gesamten Wirtschaftslebens Rußlands nach dem Norden und Nordosten verschoben. Die gesamte Staats- und Rechtsordnung des Großfürstentums Kiev war, wie der älteste russische Rechtskodex, die „Russkaja Prawda", beweist, den Interessen der Handelsklasse angepaßt. P. N. Miljukow glaubt sogar behaupten zu dürfen, daß „auch der kurzlebige Glanz des Kiever Südens den Erfolgen des Außenhandels zu verdanken war, und, sobald dieser Handel zerstört war, hat er einer schnellen Verarmung und politischer Bedeutungslosigkeit Platz gemacht". Dank seiner Lage an der Mündung der wichtigsten Nebenflüsse des Dnjepers und an der Grenze des Steppen- und Waldgebietes war Kiev seit ältester Zeit der Mittelpunkt eines regen Tauschverkehrs zwischen den Nomaden- 62) H. Bauer, Art. „Bibel" in Religion i. Gesch. u. Gegenw. 2. Aufl. 1926. Bd. I. S. 981. 2 97