Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 2-3
- Article
- Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 83 (sequence 3)
- Language
- German
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Otto Kluge. Die hebräische Sprachwissenschaft in Deutschland im Zeitalter des Humanismus Steinschneider M. Steinschneider, Bibliographisches Handbuch... für hebräische Sprachkunde. Leipzig 1859. Strack H. L. Strack, Einleitung in Talmud und Midrasch. 5. Aufl. München 1921. Strobel G. Th. Strobel, Neue Beiträge zur Literatur bes. des 16. Jahrhunderts. Bde. 1, 3, 4. Nürnberg u. Altdorf 1790 f. Tribbechovius A. Tribbechovius, De doctoribus scholasticis. Ed. 2. Jenae 1719. XLVII, 368 S., 31 Bl. Urkunden Tübingen Urkunden zur Geschichte der Universität Tübingen aus den Jahren 1476—1550. Vormbaum R. Vormbaum, Die evangelischen Schulordnungen. Bde. 1 u. 2. Gütersloh 1860 f. Winmann N. Winmann, Oracio in sanctam hoc est hebraicam linguam, Ingolstadii habita publice. Ratisbonae 1538. 10 Bl. 4°. Wolf J. Ch. Wolf, Bibliotheca Hebraea. Tom. 1—4. Hamburg u. Leipzig 1715—33. Z. D. M. G. Zeitschrift der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft. Bde. 14, 22, 43, 53. Leipzig 1860, 1868, 1889, 1899. Wer die Geschichte einer Sprachwissenschaft innerhalb eines bestimmten Zeitraums schreibt, sieht sich auf die Zeugnisse historischer Forschung, die Schriften der Männer jener Wissenschaft, angewiesen; er hat die fortschreitende oder gehemmte Entwicklung aber auch aus dem Niederschlag zu beurteilen, den diese Schriftdokumente gefunden haben, aus der Stellung, die der Sprache im Koordinatensystem der Wissenschaft zufiel, aus der Krisis, die sie als Bildungsstoff durchgemacht hat. Das Objekt der hebräischen Sprachwissenschaft ist die Kenntnis der Sprache des Alten Testaments. Daher wurde diese Wissenschaft von den jüdischen und christlichen Theologen seit den Zeiten des Mittelalters mit einem gewissen Recht als eine Hilfswissenschaft der Bibelkunde erklärt. Dennoch hat sie schon in den Anfängen einen selbständigen Charakter angenommen und Werke gezeitigt, die in ihrer Aufeinanderfolge den Zusammenhang und die Entwicklung von literarischen Erzeugnissen bekunden. Diesen Charakter trägt jene Sprachwissenschaft, seit im beginnenden Mittelalter jüdische Grammatiker die Arbeit der um die Textgestaltung verdienten Masoreten aufnahmen; und sie zeigt während des ganzen Mittelalters das Bild geistiger Prozesse von der Entfaltung und Blüte über den Stillstand zum Verfall. Die historische Einsicht sollte also vor der falschen Schätzung bewahren, es sei die hebräische Sprachwissenschaft ein Produkt des Reformationszeitalters. Diese Festlegung auf ein Datum zeugt mehr von symbolischer Ausdeutung als tatsächlicher Feststellung; denn dem Historiker liegen zu viel Keime, Vorspiele und vielleicht auch schon Anfänge solcher Bewegungen lange vor ihrem eigentlichen Durchbruch offen. In Wirklichkeit ist die hebräische Sprachwissenschaft ein Produkt des traditionstreuen Judentums. Die Reformation begegnete nur insofern der Entwicklung der hebräischen Studien, als durch sie die Aufmerksamkeit in höherem Grade als vorher auf das Original der biblischen Bücher gelenkt wurde. Die Entwicklung der hebräischen Studien war infolge dieser Verschiedenheit von Ursprung und Einflüssen in der Zeit des Humanismus eine mehrlinige und mehrdimensionale. Die Aufgabe ist, die ge- T 83