Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 77 (sequence 3)
- Language
- German
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Neues bringen. Der folgende Abschnitt: die Juden der Gegenwart, ist im wesentlichen ebenfalls eine Wiederholung bekannter Tatsachen, wobei dem Verf. manche Irrtümer unterlaufen. So wird der bekannte Antisemit Wilhelm Marr aus Hamburg als getaufter Jude verzeichnet, was den Mann schon zu seinen Lebzeiten sehr gekränkt hat. Gegen die Auswahl der Bilder ist wenig zu sagen, wenn auch die darunter gegebenen Erklärungen über die Rassenzugehörigkeit natürlich wissenschaftlich wertlos sind. Es ist ja rein willkürlich, wenn man aus solchen Photographien orientalischen oder nordischen Einschlag herauslesen will. Das kann man bei jeder beliebigen Photographie, auch bei Germanen oder sonstigen Europäern mit derselben Sicherheit tun. In demselben Kapitel befassen sich Unterabteilungen mit folgenden Fragen: Bewegungen und Gebärden der Juden, das Mauscheln, geruchliche Eigenart, alles Punkte, über die man wissenschaftlich nichts einwandfrei sagen kann, die vielmehr in hohem Maße der tendenziösen und persönlichen Auffassung unterliegen. Auch was über die Blutgruppen im jüdischen Volk und über die Auffassung des 19. Jahrhunderts und der Gegenwart von der rassischen Eigenart der Juden auf wenigen Seiten gesagt wird, hätte gut wegbleiben können, da sich in dieser Kürze über diese weitschweifigen Gebiete wissenschaftlich nichts sagen läßt. Schließlich kommen wir auf das Kapitel, dem nach den Worten des Verf. in der Vorrede der Hauptzweck des Buches gilt, die „Judenfrage", deren Erörterung im gegenwärtigen Zeitabschnitt von vielen Juden und Nicht- S* iden als störend empfunden werde, ei vielen Nichtjuden scheine dabei die Furcht vor der wirtschaftlich-politischen Übermacht des Judentums — das heutzutage den Kern des die Völker beherrschenden . internationalen Leihkapitels ausmache — keine . geringe Rolle zu spielen. Verf. spricht ferner von dem spezifisch jüdischen Totschweigen unbequemer Anschauungen und von jüdischer Unduldsamkeit, die beide zu einer Uebersteigerung des Antisemitismus beigetragen hätten. Diese jüdische Empfindlichkeit erkläre sich außerdem aus dem zu bestimmten Verhüllungen neigenden seelischen Wesen der im Judentum stark vertretenen vorderasiatischen Rasse und auch dadurch, daß viele Juden sich dauernd als Artfremde in nichtjüdischer Umgebung fühlen. Eine Analyse der letzten zwei Behauptungen zeigt schon, auf wie unsicherem Boden sich die Erörterungen dieses Kapitels bewegen. Woher kennt Verfasser die Seele der vorderasiatischen Rasse? Woher weiß er, wie viele Juden sich als Artfremde fühlen? Gibt es nicht ebenso viele Artfremde christlichen Bekenntnisses in Deutschland, bei denen Verf. ja selbst zahlreiche Einflüsse vorderasiatischer und ostischer Rasse entdeckt hat? Ein Unterabschnitt befaßt sich mit der jüdisch-nichtjüdischen Mischehe, die ebenfalls einen großen Teil der Judenfrage ausmache. Denn große Teile der abendländischen Bevölkerung beobachten mit Sorge, ja mit Entsetzen die rassische Durchfremdung der Erbanlage ihres eigenen Volkes. Natürlich muß Verf., der ja an die Möglichkeit der „Wiedervernordung" des deutschen Volkes glaubt und werbend dafür eintritt, solche Mischehen als störend empfinden. Aber fragt in der Praxis ein Liebespaar nach solchen theoretischen und konstruierten Folgen seines Bündnisses? Solche Erscheinungen sind nur kulturgeschichtlich zu erklären und haben mit Art- und Rassefragen garnichts zu tun. Wir konnten in den vorangegangenen kritischen Betrachtungen natürlich nur einen kleinen Teil des in dem Werke angehäuften, buntschattierten Materials würdigen; aber die gebrachten Proben zeigen, daß das Problem nur ganz an der Oberfläche, unter Verwendung althergebrachter Schlagworte und Anschauungen angefaßt worden ist. Eine solche Behandlung der „Judenfrage" müssen wir vom Standpunkt der vorurteilslosen Wissenschaft ablehnen. Das Buch über die jüdische Rasse bleibt noch zu schreiben. Siegmund Feist. Festschrift zum 75jährigen Bestehen der Realschule mit Lyzeum der israelitischen Religionsgesellschaft Frankfurt a. M. Hermon- Verlag, Frankfurt 1928. Die Schrift enthält außer einer Chronik der letzten 25 Jahre (von Ochsen- 77