Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 1
- Article
- Heinrichs IV. Verhalten zu den Juden zur Zeit des ersten Kreuzzuges
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 58 (sequence 20)
- Language
- German
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Alfonso Cassuto. Neu« Funde zur ältesten Geschichte der portugiesischen Juden in Hamburg Abschließend ist zu sagen, daß Heinrichs Verhalten zur Zeit der Verfolgungen im Einklang mit seiner sonstigen Politik stand. Immer wußte er seine Freunde reichlich zu beschenken, und auch den Juden zeigte er seine Gunst, indem er sie in "der Urkunde vom Jahre 1074 erwähnen ließ, ihnen Schutzprivilegien erteilte und zur Zeit der Gefahr für sie eintrat. Die Entschiedenheit, die er dabei zeigte, steht durchaus im Einklang mit dem Pochen auf seine Souveränität — einem Charakterzug, dem wir auch sonst bei ihm begegnen. Nur aus dem Zusammenwirken dieser verschiedenen Elemente — persönlicher, rechtlicher und allgemein reichspolitischer Art — ist das Verhalten Heinrichs IV. zu erklären. Neue Funde zur ältesten Geschichte der portugiesischen Juden in Hamburg Von Alfonso Cassuto Zwei kümmerliche Nachrichten aus den Jahren 1577 und ca. 1580 beweisen, daß bereits damals eine portugiesisch-jüdische Gemeinde in Hamburg bestand; ob sie groß oder klein war, wird nicht erwähnt. Erst gegen 1604, als die Hamburger Bürgerschaft auf die anwachsende Siedlung portugiesischer Kaufleute aufmerksam gemacht wurde, hielt man es für nötig, diese Fremdlinge einer genaueren Prüfung zu unterziehen, und es stellte sich heraus, daß sie, obwohl äußerlich Christen, im Geheimen den Hamburgern damals unverständliche Zeremonien ausübten. Erst allmählich sickert in den offiziellen Protokollen durch, daß einzelne dieser Fremdlinge Juden seien, bis man schließlich erfuhr, daß die anfänglich für Katholiken gehaltenen Portugiesen in Wirklichkeit alle Juden waren. Aber zu dieser Erkenntnis gelangte die Bürgerschaft offiziell erst gegen 1608—12. Als man nun wahrnahm, daß man es nicht mit einer lose zusammenhängenden Anzahl von Fremden, sondern mit einer eng verbundenen Gemeinschaft zu tun hatte, entstand die Frage, wie man diese Leute behandeln, ob man mit ihnen einen jährlich kündbaren Kontrakt, wie mit den hier ansässigen Niederländern und den English Merchant Adventurers, schließen oder sie vollständig der Stadt verweisen sollte. Die unduldsame Bürgerschaft hätte lieber das letztere gesehen*), während der weitsichtigere Senat den großen Nutzen erkannte, den diese wenigen portugiesischen Fremdlinge der Stadt brachten und weiter bringen würden, hatten sie doch von 1604 bis 1607 der Stadt an Zoll allein 10 000 Mark eingebracht, ungerechnet der anderen Steuern, die sie wie die anderen Bürger erlegen mußten. Die ersten von portu- *) Anmerkungen am Schluß des Aufsatzes, S. 69 ff. 58