Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 1
- Article
- Dubnows "Weltgeschichte des Jüdischen Volkes"
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
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Adolf Schmetzer. Die Regensburger Judenstadt Friedrich Meinecke hat einmal gesagt, daß Geschichtsschreibung „in den Schranken ihrer Individualitat nicht anders kann, als die ihr als Dominanten des Geschehens erscheinenden Dinge herauszugreifen und die übrigen Kräfte bald leiser, bald vernehmlicher mitschwingen zu lassen"116). Anders wird der russische Jude Dubnow, anders der deutsche Jude Rosenzweig die jüdische Geschichte sehen. So spiegelt sich in den einzelnen Gruppen der Judenheit die — Weltgeschichte des jüdischen Volkes. Die Regensburger Judenstadt Von Adolf Schmetzer Gegen Ende des Februars 1519, nach dem Tode von Kaiser Maximilian I., sind die Juden mit Weib und Kind aus Regensburg vertrieben, ihre Synagogen und ihre Häuser, bis auf einige wenige, von Grund aus zerstört worden. In den zahlreichen, manchmal sehr ausführlichen Schilderungen dieses ganzen Geschehens findet man aber nirgends genauere Angaben, die ohne weiteres die räumliche Ausdehnung sowie Gefüge und Einteilung der Judenstadt zu Anfang des 16. Jahrhunderts in allen Teilen erkennen ließen. Dieser Bestand läßt sich indessen durch urkundliche und andere Behelfe mit ziemlicher Sicherheit herausarbeiten. Aber für die Geschichte unserer Stadtentwicklung ist auch von wesentlicher Bedeutung, wann die Judenstadt entstanden und wie sie sich allmählich umgebildet hat. Hierfür fehlen jedoch alle unmittelbaren Nachrichten, sodaß man geschichtliche Begebenheiten in weiterem Umfang, dazu noch besondere örtliche Verhältnisse heranziehen muß, um wenigstens eine Wahrscheinlichkeit aufzeigen zu können. Was bisher über die Topographie der Judenstadt erforscht oder geschrieben worden ist, sei zunächst kurz zusammengefaßt. Sie nahm den Neupfarrplatz ein samt angrenzenden Straß enteilen. In den ersten Ausgaben von Walderdorffs Regensburg sind ihre ungefähren Grenzen in einem Plan eingezeichnet, in der 4. Ausgabe nicht mehr, vielleicht weil sichere Unterlagen für eine einwandfreie planmäßige Darstellung fehlten. Die Synagoge stand an der Stelle der Neupfarrkirche. Eine anonyme Regensburger Geschichte (Oefele II, 516) und Gumpelzhaimer (510) geben 4 Tore an, Gemeiner (II, 213; IV, 28) deren 6, und zwar 3 große an der Heuport, in der Schlossergasse, bei den Augustinern und 3 kleinere in dem Spielhof, der Dreihelmengasse und dem Kramwinkel. — Die Gassen nennt Gemeiner (IV, 776) lang, eng und schmutzig, Gumpelzhaimer (510) lang, breit und schmutzig. Sie waren aber durchaus nicht breit, wie sich noch zeigen wird. 116) Ranke, Die Großen Mächte, ed. Meinecke, Inselbücher, Nr. 200, S. 5. 18