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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 4 (Januar 1931) · p. Seite 307

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1930-1931
Issue
Heft 4 (Januar 1931)
Article
[Rezension]
Date
1931-01-01
Page
Seite 307 (sequence 2)
Language
German
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überhaupt die erste gründliche Untersuchung dieser Schrift und beruht vorzugsweise auf archivalischen Forschungen, die auch für die Geschichte der Abhandlung zur Reform des Judeneides mitverwertet sind. Den Einleitungen schließen sich in den Anmerkungen genaue Quellennachweise an. Die Texte der Abhandlungen selber sind sorgfältig revidiert; die Genauigkeit in den Angaben der angehängten Lesarten erscheint mir selbst für einen wissenschaftlichen Apparat als viel zu weitgetrieben, während die nachfolgenden Anmerkungen und der gelehrte Quellennachweis ausgezeichnete und außerordentlich verdienstvolle Kleinarbeit darstellen. In den Textabdruck konnten zwei kleine, bisher nicht veröffentlichte Niederschriften Mendelssohns zum Lavaterstreit einbezogen werden. Besonders begrüßenswert ist die im Anhang gegebene vollständige Zusammenstellung aller Briefe und Dokumente, die sich auf die Auseinandersetzung zwischen Mendelssohn, Lavater und Bonnet beziehen. Mit aufrichtigem Dank gegen Mäzene, Herausgeber und Bearbeiter für diesen nach Inhalt und Ausstattung wieder gleich wertvollen Band sehen wir der Fortsetzung der Jubiläumsausgabe entgegen. Max Freudenthal. Guido Kisch, Die Zensur jüdischer Bücher in Böhmen, Beiträge zu ihrer Geschichte, 1930. Mit ihrer Gründlichkeit und anziehenden Darstellung sind uns alle Forschungen des Verfassers auf jüdischem Gebiete stets willkommen. Kisch gibt hier einen interessanten Beitrag zur Geschichte der Zensur jüdischer Bücher überhaupt und speziell in Böhmen. Es geht zuerst um die Ueberwachung der jüdischen Druckereien in Prag, dann um die staatliche und kirchliche Ueberprüfung der gesamten jüdischen Literatur im Lande und von außer Landes. Die Entwicklung beginnt im ersten Viertel des 16. und reicht bis tief ins 19. Jahrhundert hinein. Vorzensor, Revisor, Translator hatten ihre anfangs von der Kirche, später von der Landesbehörde ihnen zugewiesenen Aufgaben an den armen jüdischen Büchern und Menschen zu erfüllen, und es ist bekannt, welche sachlichen Schädigungen und Verwüstungen und welche persönlichen Unannehmlichkeiten für die Verfasser und Drucker dieses Zensursystem angerichtet hat. Kisch führt auch das Bild einiger, ausnahmsweise vernünftig wirkender Zensoren vor und gibt im letzten Abschnitt ein interessantes, amtlich eingeholtes und erstattetes Gutachten aus dem Jahre 1845 wieder, in welchem die Befähigung verschiedener Personen für jene Aemter geprüft und den unter den Vorgeschlagenen befindlichen Salomon Loeb Rapaport, Michael Sachs und Moritz Steinschneider — abgesprochen wird! Die für eine künftige Geschichte der Zensur jüdischer Bücher äußerst wertvolle Arbeit ist im Jahrbuch II der Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Tschechoslowakischen Republik und in einer Sonderausgabe erschienen, die freilich im Buchhandel nicht erhältlich ist. Max F re uAent h a 1. Ludwig Marcuse, Revolutionär und Patriot. Das Leben Ludwig Börnes. Paul List-Verlag, Leipzig 1929, 320 Seiten. Börne ist zeitnah, mögen seine Schriften auch nur von dem gelehrten Kenner oder dem Liebhaber der deutschen Literatur zur Hand genommen werden. Er ist wirksam als Tendenz. Die demokratisch-republikanische Zeitstimmung ist dem Vorkämpfer der bürgerlichen Freiheit günstig. Sie erweckte ihn wieder; wie unter ganz anderen Voraussetzungen Adam Müller. Anton Kuh gab eine unter aktuellen Aspekten zusammengestellte Anthologie „Börne der Zeitgenosse" heraus. Neben jene Auswahl tritt nunmehr die überaus zeitgemäße und gegenwartsbezogene Lebensbeschreibung Ludwig Marcuses. Marcuses „Börne" ordnet sich bewußt in die Reihe jener biographischen Darstellungen ein, die dem modernen Interesse an historisch-psychologisch reizvollen Persönlichkeiten dienen. Der Stil und die geistige Haltung der Biographie stammen aus der Sphäre des legitimen Subjektivismus. Sie steht damit in einem absichtlichen Gegensatz zu der kühlen und nüchternen (tendenzlosen) Wirklichkeitserforschung der gelehrten Biographie älteren Genres. Das Goethe-Wort „Aufrichtig zu sein, kann ich versprechen, unparteiisch zu sein, aber nicht" hat 307

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