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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 4 (Januar 1931) · p. Seite 283

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1930-1931
Issue
Heft 4 (Januar 1931)
Article
Die Münchener Judenschaft 1750-1861
Date
1931-01-01
Page
Seite 283 (sequence 22)
Language
German
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Arthur Cohen. Die Münchener Judenschaft 1750—1861 Nur für einen kleinen Zeitabschnitt um die Mitte des Jahrhunderts haben wir genauere Daten. 1849—56 finden wir das Vermögen der in München ansässig gewordenen Juden verzeichnet (sei es behufs Einschätzung zu Kultusgemeindebeiträgen, sei es als Material bei Konzessions-, Immatrikulierungs- oder Bürgeraufnahmegesuchen). Es sind in München ansässig geworden: Jahr Juden Vermögen in fl. Durchschnitt 1849 7 80 000 11430 1850 10 200 000 20 000 1851 6 59 600 10 000! 1855") 4 204 000 51000 1856 5 139 000 27 800 1854—1856 (Nachtrag)_3_50 600_16 865 Summe 35 733 200 20 950 Auch diese Ziffern deuten auf durchschnittlichen Wohlstand hin. Im Jahre 1861 wurde die Judenmatrikel aufgehoben (Landtagsabschied vom 10. November 1861, § 15) und damit die schwerste Fessel der bürgerlichen Existenz der Juden beseitigt. Von da an konnten die Juden (nach Maßgabe der allgemeinen Gesetze) eine Familie gründen, sich ansässig machen, einen Erwerb suchen, wo sie wollten. Die Juden hatten Freizügigkeit, das kostbarste Gut des modernen Staatsbürgers, erlangt. Dazu kam, daß das Reichsgesetz vom 3. Juli 1869, betr. die bürgerliche Gleichberechtigung der Konfessionen, durch alle noch bestehenden Ausnahmegesetze gegen die Juden einen großen Strich machte und neue in den deutschen Ländern an der Entstehung hinderte. Das lang erstrebte politische Ideal der Juden — die Judenemanzipation — war erreicht, ihre Gleichberechtigung anerkannt. Dem Wetteifer der Juden mit der übrigen Bevölkerung in bezug auf bürgerliches Fortkommen und bürgerliche Tugenden, in bezug auf wirtschaftliche Leistungen und geschäftliche Tüchtigkeit war freie Bahn gegeben. Die Entwicklung, welche die jüdische Bevölkerung in München seitdem genommen hat, ist bereits von anderer Seite auf Grund der amtlichen Statistik bezw. besonderer Erhebungen des Vereins für die Statistik der Juden in München geschildert worden58). 57) Für die Jahre 1852—54 sind keine Nachweise vorhanden. 58) Jakob Segall, Die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung in München 1875— 1905, hrsgg. v. Verein f. d. Stat. d. Juden in München (Veröff. d. Bureaus für Statistik der Juden, Berlin, Heft 7), Berlin 1910. — Weiner-Odenheimer, Die Berufe der Juden in Bayern, hrsgg. v. Verein wie vor (Veröff. wie vor, Heft 10), Berlin 1918. — Vgl. ferner A. Cohen, Die jüdische Bevölkerung in München 1910 mit bes. Berücksichtigung ihrer Gebürtigkeit (Ztschr. f. Demogr. u. Stat. d. Juden 1919, Heft 8—12). — Weiner-Odenheimer, Die Berufe der Juden in München (Ztschr. wie vor, 1915, Heft 10—12; 1916, Heft 4—6; die Abh. enthält einen Auszug aus der gleichnamigen Schrift, s. o.). — Für die Gegenwart ist grundlegend: „Veröffentlichungen der Akademie für die Wissenschaft des Judentums. Die Bevölkerungs- und Berufsverhältnisse der Juden im Deutschen Reich. Auf Grund von amtlichen Materialien (Volks- und Berufszählung 1925) bearbeitet von Heinrich Silbergleit. Akademie-Verlag, Berlin." Der I. Band, Preußen, ist Ende 1930 erschienen Der II. Band wird die anderen deutschen Länder und das Reich im Ganzen behandeln. 283

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