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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1931-01-01 · Heft 4 (Januar 1931) · p. Seite 276

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1930-1931
Issue
Heft 4 (Januar 1931)
Article
Die Münchener Judenschaft 1750-1861
Date
1931-01-01
Page
Seite 276 (sequence 15)
Language
German
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Arthur Cohen. Die Münchener Judenschaft 1750—1861 Nach einer im Kreisarchiv befindlichen Uebersicht über den Stand der israelitischen Bevölkerung vom 31. März 1851 waren ferner in der Stadt München 61 immatrikulierte jüdische Familien; über die Matrikelzahl waren vorhanden 95 Familien; nicht in die Matrikel eingetragen 7 Familien 163 Familien mit 676 Personen. In den Vorstädten (s. o.) befanden sich 13 Familien mit 72 Personen. Gibt zusammen 176 Familien mit 748 Personen. Dazu kamen auswärts heimatberechtigte Juden, die sich in München aufhielten, 69 Personen. Gesamtzahl 817. Stellen wir die bisher gefundenen einwandfreien Ziffern zusammen, so finden wir, daß in München 1811/12: 380, 1814: 451, 1819/20: 525, 1848: 842, 1851: 817 Juden lebten. Es fand also eine langsame Vermehrung statt, so daß in der Mitte des 19. Jahrhunderts sich etwa nochmal soviel Juden in München befanden, als bei Erlaß des Judenedikts. Vergleicht man damit die demographischen Entwicklungsmöglichkeiten, die sich den Juden in München geboten hätten, so muß man sagen, daß die Judenmatrikel auf die jüdische Bevölkerung ungünstig gewirkt hat. Der Unterschied zwischen den Ziffern der amtlichen Statistik und denjenigen des archivalen Materials dürfte darin seine Erklärung finden, daß in der amtlichen Statistik nicht nur Juden, sondern auch solche Personen, deren Religion unbekannt (im Zählungsmaterial nicht angegeben) war, vielleicht ganz oder zum Teil in die Rubrik „Bekenner nicht-christlicher Religionen" eingerechnet worden sind48). Auch der Umstand mag zur Erhöhung der Ziffer gegenüber den nach der Wohnbevölkerung rechnenden Archivalien beigetragen haben, daß in stets steigendem Maße die Praxis der Volkszählungen vom System der Zählung der Wohnbevölkerung zu dem (jetzt ausschließlich gehandhabten) System der Zählung der ortsanwesenden Bevölkerung überging 49). In welchem Zustand befand sich diese Bevölkerung? Der Bevölkerungszustand ist von zweierlei abhängig, einer ideellen und einer materiellen Komponente, Kultur einerseits, Erwerb und Wohlstand andererseits. Der kulturelle Fortschritt der Münchener Juden seit dem Erlaß des Münchener Judenregulativs (1805) und besonders seit dem Judenedikt von 1813 ist offenkundig. Er ist schon bald zu Tage getreten. Die Beschränkung der Wohngelegenheit auf bestimmte Straßen (Ghetto) hörte auf, die Sprache und später die Schrift der Handelsbücher wurde die deutsche, der Unterschied der Kleidertracht und die Barte verschwanden, nur das Idiom der Sprache verriet anfangs noch die Herkunft (Rudhardt, a. a. O. I, S. 72). Besonders aber die durch das Judenedikt (§ 4) vorgeschriebene, aber wohl zum großen Teil schon vorher durchgeführte Annahme eines Familiennamens war es, die den Eintritt der Juden in die moderne Gesellschaft besiegelte, wenn auch die durch die Behörden herbeigeführte oder begünstigte Eigen- 4S) Die Volkszählungen von 1840 und 1852 (Beiträge zur Statistik des Kgr. Bayern, Heft 86, S. 271, bezüglich 1852 vgl. auch Heft 4 S. 48) unterscheiden nur Katholiken, Protestanten, Reformierte, übrige christliche Religionen, nichtchristliche Religionen. Merkwürdig ist, daß Beitr. Heft 20 (Volkszählung 1867 I von v. Mayr), S. 37 nicht nur für 1S67, sondern auch (referierend) für 1840 und 1852 unterscheidet: Katholiken, Protestanten, Reformierte, andere christliche Religionen, Israeliten, indem die Zahl der Bekenner nicht-christlicher Religionen der Zahl der Israeliten gleichgesetzt wird. *>) A. a. O., Heft 86, S. 68. 276

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