Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1930-1931
- Issue
- Heft 4 (Januar 1931)
- Article
- Die Münchener Judenschaft 1750-1861
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 263 (sequence 2)
- Language
- German
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Arthur Cohen. Die Münchener Judenschaft 1750—1861 amtes München über die ganze zweite Hälfte des Jahrhunderts führt zu folgender Tabelle5): Jahr Oberhäupter der Familien deren Weiber Kinder Dienerschaft Zusammen 1750 9 1 1 9 20 1781 23 6 3 21 53 1782 30 6 3 26 65 1786 26 15 47 31 119 1788 30 16 46 39 131 1790 29 19 46 33 127 1792 29 22 63 44 158 1794 27 28 70 28 153 1798 35 33 98 54 220 Die Tabelle zählt die Juden, die sich in München aufgehalten haben. Das Recht zum Aufenthalt konnte auf zweierlei Weise erworben werden: erstens durch einen Schutzbrief, sei es vom Kurfürsten selbst, sei es von einer zur Ausstellung berechtigten Behörde; zweitens für einen vorübergehenden Aufenthalt durch polizeiliche Erlaubnis, für die eine Gebühr (Leibzoll) zu entrichten war. Grundsätzlich sollten nur solche Juden geduldet werden, die mit dem Staat „in Salzkontrakten standen" (Salzverlag), Pferdelieferungen (oder sonstige Armeelieferungen) übernommen oder „beim Schuldenwerk zu tun" hatten, also dem Staate Geld geliehen hatten (kurfürstliches Dekret vom 24. Januar 1737, Nr. 4). Unter Maximilian III. Josef (1745—1777) gab es noch wenig Juden . in München, Karl Theodor aber, seit 1733 Pfalzgraf von Sulzbach, seit 1742 Kurfürst von der Pfalz, der 1777 das rechtsrheinische Bayern geerbt hatte, scheint nicht wenig Juden aus seiner Residenzstadt Mannheim, vielleicht auch aus Sulzbach nach München gebracht zu haben. „Fast täglich erblickt man neue Judengesichter", ruft entsetzt „der gesamte Bürger- und Handelsstand München" in einer Eingabe vom 30. August 1784. Die jüdische Bevölkerung in München trug den Typus der reinen Einwanderungsbevölkerung. Daher die — besonders anfangs — relativ geringe Anzahl der Frauen und Kinder. Fast alle waren auswärts geboren, viele kamen aus Mannheim (s. oben), auffallend viele aus Kriegshaber bei Augsburg, der München räumlich am nächsten gelegenen Judengemeinde. Auch das relativ hohe Lebensalter — das höhere Mannesalter überwiegt — deutet auf jenen Typus. Aber, einmal in München ansässig, scheinen sich die Juden, trotz mancher Anpö- 5) „Uebersicht der sich hier niedergelassenen Judenschaft, extrahiert aus den beim Amt anliegenden Judenschaftsdeskriptionen", N. 64. Auch bei Hazzi, Statistische Aufschlüsse über das Herzogtum Bayern 1803 III 1, 32Q in konzentrierterer Fassung zu finden. Ich bringe die Tabelle, indem ich innerhalb der Rubriken „Kinder" und „Dienerschaft" Zusammenziehungen vornehme. 263