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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1930-10-01 · Heft 3 (Oktober 1930) · p. Seite 251

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1930-1931
Issue
Heft 3 (Oktober 1930)
Article
[Rezension]
Date
1930-10-01
Page
Seite 251 (sequence 3)
Language
German
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raeliten in Rußland" aus dem Jahre 1846 (veröffentlicht von N.M.Gelber, Sp. 805—807). Es ist zu wünschen, daß dem „Jiddischen wissenschaftlichen Institut", das seine Arbeiten bisher unter großen Opfern vollbracht hat, reiche Förderung zuteil werden möge, damit es sich seiner Aufgabe auch weiterhin gewachsen zeigen kann. Josef M e i s 1. Selma Stern, Jud Süß. Ein Beitrag zur deutschen und zur jüdischen Geschichte, Berlin Akademieverlag 1929 (XVI, 346 S., 2 Tafeln) gr. 8°. Veröffentlichungen der Akademie für die Wissenschaft des Judentums, Historische Sektion, Band 6. Die Verfasserin, die aus der Schule K. Th. v. Heigels hervorgegangen ist, hat ihre Fähigkeit, landesgeschichtliche Ereignisse größeren Zusammenhängen eintzuordnen, an der Lebensgeschichte Karl Wilhelm Ferdinands zu Braunschweig erprobt und darf nach den ersten Bänden des Werkes „Der preußische Staat und die Juden" zu den besten Kennern der neueren Geschichte der Juden in Deutschland gerechnet werden. Der vorliegende Stoff: die erregende, legendarisch wie literarisch immer wieder neu umsponnene Geschichte von dem Juden, der als Händler, Unternehmer, Wirtschaftspolitiker, großer Herr und Staatsmann vor der Emanzipation die Schranken seiner Herkunft durchbricht, die Sphäre der Machthabenden erreicht und nach kurzer Zeit abstürzt in das Grauen eines gräßlichen Endes: dieser Stoff hat, wie kein anderer zuvor, die Begabung der Verf. in ihrer Ganzheit aufzurufen vermocht. So ist ein Buch entstanden, welches den Stoff "geschichtswissenschaftlich schlechthin erschöpfend behandelt, zugleich aber packt und ergreift, ohne sich auch nur im kleinsten die literarischen Zutaten oder stilistischen Mätzchen historischer Belletristik zu gestatten. Die Arbeit baut sich im wesentlichen auf Stuttgarter Archivalien auf. Alle übrigen in Frage kommenden Archive und Bibliotheken scheinen in sorgfältigster Weise befragt worden zu sein. In methodisch richtiger, elf Kapitel umfassender Gliederung werden wir unterrichtet über Herkunft uno Erziehung, Reisen und frühe Betätigung,, über Süß Oppenheimers Tätigkeit ak- Warenhändler in eigener Sache, sowie im hessen-darmstädtischen, kurpfälzischen und kurkölnischen Dienst. Der württembergische Resident und schließlich der ausschlaggebende Berater des. Herzogs Karl Alexander, welcher niemals Minister wird und doch fast den Einfluß eines Wartenberg besitzt, tretenklar und anschaulich in Erscheinung. Ein letztes Kapitel erzählt schlicht und erschütternd das Ende. Die Mitte des¬ Buches wird mit Recht von der systematischen Darstellung seiner Tätigkeit eingenommen: der Mensch, der Politiker und der Ratgeber, der Merkantilist, der Finanzmann, der Münzpolitiker und der Kaufmann werden irt besonderen Abschnitten erschlossen. Hierbei hat sich die Verf. erfolgreich bemüht, die Fülle der Erscheinungen: nicht bloß in ihrer Einmaligkeit, sondern auch im Rahmen ihrer Beziehungen und Verwandtschaften sichtbar ztt machen. Das Buch, welches ohnehin die württembergische Geschichte der Zeit in einer bisher nicht erreichten Weise erfaßt, ist somit in der Tat ein Beitrag zur deutschen Geschichte, besonders zur deutschen» Verfassungs- und Wirtschaftsgeschichte, geworden. Die Verf. ist dabei der Gefahr, preußische, bayerische u. dgl. Vergleichsdaten lediglich aufzureihen, fast immer entgangen. Die besonders unentbehrliche Beherrschung der einschlägigen Literatur ist gegeben; die Benutzung erfolgt sachüch und treffsicher. (Die Angaben in Anm. 217 sind ungenau; Anm. 483 wird durch das Werk von Hugo Hantsch wichtig ergänzt). Als historisch-politisch bedeutsamster Inhalt des Buches erscheint Süß Oppenheimers groß angelegte Staatssanierung, welche — ungleich stärker durch den überspannten Absolutismus des Herzogs als durch Oppenheimers Schuld —in eine freilich untragbare Staatsbedrückung verwandelt wird, für die der Jude schließlich büßen muß. Die Bedeutung des Buches für die Wissenschaft der Geschichte der Juden, in Deutschland erblicke ich vornehmlich in der klaren und rechtschaffenen Herausarbeitung von Schuld und Schicksal des Helden. Im geschichtswissenschaftlich einwandfreien Wiederaufnahmeverfahren beschönigt die 251

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