Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1930-1931
- Issue
- Heft 3 (Oktober 1930)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1930-10-01
- Page
- Seite 250 (sequence 2)
- Language
- German
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sei auf Borodianskis Einleitung zum XVI. Band der Gesaratausgabe verwiesen. Am Schlüsse ist ein Promemoria Mendelssohns über ein Schiedsgericht, dem er selbst angehörte, angefügt. Ein Brief Mendelssohns an Naphtali Herz in Dessau, den Vater des Leipziger Kaufmanns Herz Elkan, dessen Sammlung von Mendelssohnbriefen mitverwertet wurde, ist reproduziert. Die „Jiddischen Briefe der Familie Lassalle", (p. 347—374), die von dem bekannten Lassalleforscher Gustav Mayer im Nachlasse des Arbeiterführers entdeckt wurden, unterrichten in hochinteressanter Weise über die Herkunft des großen Sozialisten. Die Einleitung stammt von E. Tscherik o w e r; Gustav Mayer schrieb dazu eine Notiz über Lassalles Abstammung. Wir werden dabei mit näheren Einzelheiten, insbesondere über Lassalles Großvater Feitel Wolfsohn aus Benin (Oberschlesien; daher auch Feitel Braun oder Benin), einen gelehrten Getreidehändler und Pächter bekannt gemacht, dessen Frau der Familie Oppenheim entstammt, ferner über Lassalles Vater Chajim Heymann aus Loslau, der neben traditioneller Erziehung auch weltliche Bildung genossen hatte. Während der Großvater einem noch unverfälschten ostjüdischen Milieu entstammt, schreibt der Sohn bereits deutsch mit jiddischen Lettern. Die Briefe bestätigen und ergänzen die von Brann in der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums (1918, S. 270—274) ausgesprochene Ansicht über Lassalles Herkunft. Mehrere Briefproben und der Ehevertrag der Großeltern Lassalles sind faksimiliert. Auf amtlichen preußischen Materialien, nämlich den Mitteilungen der Konsistorien an das Preußische statistische Büro über Täuflinge vom Jahre 1817 an, fußt A. Menes Abhandlung über „Die Taufbewegung in Preußen in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts" (Sp. 375—404). In den Jahren 1812—1821 betrug die Zahl der Taufen in Preußen 763, 1822—1831: 1274, 1832—1841: 1153 und 1842—1846: 581, insgesamt also 3771. Die jüdische Bevölkerung zählte 1816: 123 823,1821: 141562 Seelen. Fast die Hälfte jener Täuflinge stammte aus Brandenburg, davon der größte Teil aus Berlin. Am 250 geringsten war die Beteiligung der Provinz Posen. Sehr aufschlußreich sind die Angaben über die soziale Schichtung der Täuflinge, die durchaus, nicht allein den höheren, sondern vielfach auch den proletarischen Schichten, entstammen, während der Mittelstand nur gering vertreten ist. In den Großstädten nahmen meist Angehörige der Intellektuellenschicht die Taufe an. Besonders häufig ist die Taufe von Kindern jüdischer Eltern gleich bei der Geburt festzustellen. Da vomi Jahre 1836 an die Motive der Taufe, sonst auch Personalien und Familienverhältnisse meist angegeben werden, gestattet das Material einen guten, wenn auch nicht erschöpfenden kulturhistorischen Einblick in einen Teil, der jüdischen Bevölkerung Preußens. Aus der Sammlung der Dokumente gehören in unser Gebiet Wachsteins „Schewua chamura al Bardon" (Sp. 703—706), der bei der Zahlung der Konsumsteuer Pardon (Bardon) abzulegende Eid. Die von dem Verfasser vorgeschlagene Ableitung des Wortes Pardon vom mittellateinischen pardona Steuer ist von allen bisherigen Vermutungen die wahrscheinlichste. Saul Chajes veröffentlichte das. erste Protokoll der Wiener jüdischen. Gemeinde aus dem Jahre 1784, (Sp. 707—716), das sich mit verschiedenen Gemeindefragen (Friedhof, Mazzoth,. Koscherfleischpachtung) befaßt. Von den in deutscher Sprache abgefaßten Dokumenten nennen wir noch die aus dem Jahre 1848 stammende „Adresse der galizischen Juden an die hohe Reichsversammlung inWien": (veröffentlicht von M. Balaban, Sp. 741—746); ferner „Eine Thräne am Grabe des verewigten Rabbiners Abraham Kohn", der auf Anstiften orthodoxer Fanatiker im Jahre 1848in Lemberg vergiftet wurde, (Gedichtvon Josef Blumenfeld, ebenfalls von. Balaban veröffentlicht, Sp. 748—750); ein „Lob- und Danklied der Judengemeinde in Mohilew beim Einzüge- Ihrer Kaiserlichen Majestät Käthe-- rina IL, Selbstherrscherin aller Reußen, im Jahre 1780" (auch hebräisch, veröffentlicht von P. Kohn, Wilna, Sp. 757—760) und endlich ein von dem. Wiener Hause Rothschild für den Kaiser Nikolaus I. bestimmtes „Me-. morandum über den Zustand der Is-