Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1930-1931
- Issue
- Heft 3 (Oktober 1930)
- Article
- Neue Kunde von der Marranen-Gemeinde in Hamburg
- Date
- 1930-10-01
- Page
- Seite 233 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Cecil Roth. Neue Kunde von der Marranen-Gemeinde in Hamburg Vater nach Venedig, wo er im Jahre 1642 starb. Er war der Vater des Samuel Aboab, des Verfassers des Debar Shemuel, eine der hervorragendsten rabbinischen Autoritäten seiner Zeit14). Noch einige der anderen Namen in Bravos Liste verdienen Erwähnung. Anrique Dias Milläo, dessen Witwe Guiomar Gomez als einzige Frau selbständig aufgezählt wird, war im Jahre 1609 in Lissabon seines Judentums wegen verbrannt worden15). 25 Jahre später zählen seine Söhne, der Lizentiat Paulo de Milläo und Antonio Dias Milläo, als prominente Hamburger Gemeindemitglieder unter den Namen Daniel und Uzua Abensur16). Bis ins 19. Jahrhundert hinein behielt die Familie Bedeutung in der Stadt17). Ihre Schwester Beatrice Henriques war die Frau des Alvarez Diniz (Samuel Jachia), einer der „Säulen" der Gemeinde, des Obermünzmeisters des dänischen Königs; er ließ sich später in Glückstadt nieder18). Eine andere Schwester, die selber unter der Inquisition gelitten hatte, heiratete jenen Dr. Enrique Rodrigues, der in der Liste erwähnt wird, einen berühmten Arzt und treuen Juden, dem es besonders zu danken ist, daß jener Rodriques (Ruy) de Castro, Begründer der Gynäkologie, am Judentum festhielt, den Bravos Liste den Tyrannen- Doktor nennt. Seine Schwester war die Frau des Abraham Aboab Cardoso19). Außer diesen beiden erschienen drei andere Aerzte in Bravos Liste, eine beachtenswerte Anzahl! Duarte Roiz (Rodrigues) ist identisch mit David Fidanque20). Man könnte andere Vermutungen zur Identifikation aufstellen, jedoch nicht mit absoluter Sicherheit. In den meisten Fällen ist auch der Geburtsort jedes einzelnen angegeben. Genau ein Vierteljahrhundert später, im Jahre 1644, machte in Lissabon ein Spion der Inquisition eine andere und noch detailliertere Anzeige über die Hamburger Gemeinde — Don Diego de Lima, ein abtrünniger Sohn des Henrique de Lima. Diese Liste ist späteren Datums und gehört einer Zeit an, da andere Quellen im Ueberfluß vorhanden sind. Wir finden in ihr indessen den portugiesischen und den jüdischen Namen jedes einzelnen vermerkt; sie erlangt dadurch besondere Bedeutung. Mehrere der oben erwähnten Einzelheiten sind ihr entnommen, aber es ist der Mühe wert, die Liste im ganzen u) Die weitere Familiengeschichte siehe L. Löwenstein, Die Familie Aboab. Sonderabdruck aus der Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums (Preßburg 1905). 15) D'Azevedo, a.a.O. 16) Das. u. Denuce, a. a. O., S. 45. Nach Grunwald, S. 132, der jüdische Name des Paulo de Milläo (Paul Diricksen) war Moses Abensur. ") Grunwald, SS. 95, 117. «) Das., S. 129 ff. 19) Ueber Rodrigo de Castro vgl. Lemos, Zacuto Lusitano, S. 230 ff. und die dort angeführten Quellen. Die Vermutung, daß Enrique Rodrigues Hamburg nach der Pest des Jahres 1601 verließ, ist offenbar unbegründet. 20) Aussage des Delima, a.a.O. 233