Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1930-10-01 · Heft 3 (Oktober 1930) · p. Seite 202

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1930-1931
Issue
Heft 3 (Oktober 1930)
Article
Studien über die bauliche Entwicklung der Judengassen in den deutschen Städten
Date
1930-10-01
Page
Seite 202 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2259275-2259282-2259286-2260543--3059-2260622
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Alexander Pinthus. Stadien über die bauliche Entwicklung der Judensassen in den deutschen Städten waren zur Zahlung an den Kaiser verpflichtet, während die Juden des Erzbistums Magdeburg nicht zur kaiserlichen Kammer gehörten18). Es ist daher anzunehmen, daß die Sicherheit des Handels unter dem Königsschutze, die im Westen zur Ansiedlung verlockte, in diesen Grenzgebieten nicht so sehr in Wirkung trat. Denn in Halle und Merseburg bestand im 10. und 11. Jahrhundert wohl schon ein Handelsverkehr, aber noch kein Marktprivileg. Der Abschluß der ländlichen Gemeinden mit ihrem festen Grundbesitz konnte aber in Gegenden, in denen noch kein ausgebildetes Marktrecht den Handel- und Gewerbetreibenden Ansiedlungsmöglichkeit bot, unter Umständen zu eigenen Niederlassungen der Handelsleute führen. Diese Ansiedlungen dürften aber doch in Verbindung mit Ursiedlungen bestanden haben, die freilich bei der Entstehung der Markte nicht alle mit Marktrecht belehnt wurden, sodaß nur die Erwähnung der Juden in ihrem Namen als Zeichen einstigen Handelslebens zurückblieb. Da schließlich bei der Erhebung zum Markte, die Marktanlage selbst häufig in einigem Abstände von der Stammsiedlung erfolgte, ergibt sich die isolierte Lage der älteren Judensiedlung zum jüngeren Markte, wie wir sie bei Halle und Prag antreffen. Vielleicht gehört hierher auch das Judendorf bei Magdeburg, außerhalb dessen aber schon sehr früh Juden in der Stadt am Kleidermarkt wohnten. Ob die Judensiedlung in Leipzig trotz der räumlichen Nähe mit den ursprünglichen Stammorten zu tun hat, erscheint zweifelhaft. Auch die Judensiedlung auf dem „novum forum" in Meißen ist, soweit bekannt, jüngeren Datums und jedenfalls durch den Platzmangel in dem schmalen Taleinschnitt hervorgerufen. — Bleiben die im Elb-Saale-Gebiete vermuteten jüdischen Eigensiedlungen nach diesen Erörterungen auch ziemlich fragwürdig, so sehen wir doch eine gewisse Unabhängigkeit in der nicht durch Bindung an einen Grundherrn diktierten Platzwahl für die Niederlassung in diesen noch städtearmen Gebieten. Auch „Zwischensiedlungen" kommen für die Judensiedlung, abgesehen von den Fällen, wo jüdische Bewohner schon bei der Stadtgründung zur Stelle waren, oder wo einzelne Juden im Stadtinnern Aufnahme fanden, kaum in Frage. Selbst in den Fällen, wo keine klare Isolierung der Juden vorlag, wie bei der ersten Ansiedlung in Frankfurt a. M. oder in Mainz, ist die Kaufmannssiedlung als solche unter Beteiligung der Juden als Randsiedlung in bezug auf das Römerlager oder die kirchliche Niederlassung aufzufassen. So ist es erklärlich, daß wir bei der Betrachtung der Judensiedlungen in den verschiedenen Städten im allgemeinen nur Randsiedlungen antrafen. Da die allgemeinen Gruppensiedlungen aber gerade bei der Randsiedlung die Abhängigkeit des Siedlungsplatzes von der sozialen und wirtschaftlichen Stellung der Siedler so deutlich aufweisen, wirken sich auch die besonderen Lebensbedingungen der «) Kretschmar: „Entstehung von Stadt und Stadtrecht in den Gebieten zwischen der mittleren Saale und Lausitzer Neiße", Berlin 1905, S. 15. 202

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.