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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1930-10-01 · Heft 3 (Oktober 1930) · p. Seite 198

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1930-1931
Issue
Heft 3 (Oktober 1930)
Article
Studien über die bauliche Entwicklung der Judengassen in den deutschen Städten
Date
1930-10-01
Page
Seite 198 (sequence 2)
Language
German
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Alexander Pinthus. Studien über die bauliche Entwicklung der Judensassen in den deutschen Städten Stadt Lissa i. P., die für schlesische Protestanten im 17. Jahrhundert gegründeten Orte wie Rawitsch u. a.2), die für vertriebene Salzburger angelegte Stadt Freudenstadt. Die wirtschaftlich selbständige Siedlung setzt in dem beobachteten Zeitraum auch eine für die Ernährung ausreichende Landwirtschaft voraus, so daß vorwiegend handeltreibende Gruppen notwendig zur Anlehnung an andere gezwungen waren. Eine Mischung von landwirtschaftlichen und gewerbetreibenden, von einheimischen und zugewanderten Einwohnern entstand in den aus kirchlichen oder kaiserlichen Gründungen hervorgegangenen Marktorten. Die Märkte3) bildeten sich vor den Toren der kirchlichen Niederlassung — der Domfreiheit — und der Urbs — dem ersten befestigten Anfang der Städte — durch Ansiedlung von Kaufleuten und Handwerkern. Da die ersten kirchlichen und herrschaftlichen Niederlassungen meist neben der Straße entstanden und zur Sicherung gegen Hochwasser in einigem Abstände von den Fluß ufern errichtet wurden, ergaben sich die Straßenränder und die Flußniederungen als die gegebenen Plätze für Handelsniederlassungen. War die Marktsiedlung durch Umwallung erst zur schutzgewährenden Stadt geworden*), dann war eine „Zwischensiedlung" nur schwer möglich. Sie kam nur für einzelne Zuzügler in Frage, denen vielleicht bei ihren Landsmannschaften Platz eingeräumt wurde. Fremde und größere Gruppen von Zuwanderern hatten schon deswegen Schwierigkeit, im Stadtinnern Unterkunft zu finden, weil das Einfamilien- und Eigenhaus die vorwiegende Wohnform auch in den Städten war5), und die nichtbebauten Teile des Stadtgebietes Allmendgut6) waren, d. h. als Weinberge und Weideland der Gesamtheit gehörten. Dazu kommt das Mißtrauen gegenüber den Fremden und die Furcht vor ihrer Konkurrenz. Wenn daher fremde Kaufleute — das waren wohl meistens die Zuwandernden — die günstige Ver- 2) Emst Hoffmann: „Ostdeutsche Stadtanlagen", Diss. Kiel 1907/08, S. 84/85. 3) Vgl. hierzu: Chr. Klaiber: „Die Grundrißbildung der deutschen Stadt im Mittelalter", Diss. Berlin 1912. Ph. A. Rappaport: „Die Entwicklung des deutschen Marktplatzes", aus Brix und Genzmer: „Städtebauliche Vorträge" VII, Berlin 1914, sowie Gustav Wolff: „Die schöne deutsche Stadt, Norddeutschland", S. 127, und Meurer: „Stadtgrundrisse", S. 8. Siehe hierzu auch: A. Püschel: „Das Anwachsen der Deutschen Städte in der Zeit der mittelalterlichen Kolonialbewegung" (Abh. z. Verkehrs- und Seegeschichte, Berlin 1910). W. Kuhn: „Kleinbürgerliche Siedlungen in Stadt und Land", München 1921. R. Heiligenthal: „Deutscher Städtebau", Heidelberg 1921. P. Wolf: „Wohnung und Siedlung", Berlin 1926. *) Th. Ilgen: „Die Entstehung der Städte des Erzstiftes Köln am Niederrhein" (Annalen d. hist. Ver. f. d. Niederrh., 1902, Bd. 74, S. 3 u. 21). H. Keußen: „Die Topographie der Stadt Köln" (Preisschrift der Mevissenstiftung), 2 Bde., Bonn 1910, S. 56*. In Köln: Brabanter, Flamländer, Straßburger, Sachsen (Sassenhof). 5) Baumeister: „Stadtbaupläne", S. 15. 6) Heinr. Gottfr. Gengier: „Deutsche Stadtrechtsaltertümer", Erlangen 1882, S. 279. 198

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