Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1930-1931
- Issue
- Heft 3 (Oktober 1930)
- Article
- Die Juden im Berliner Wirtschaftsleben zur Zeit des Merkantilismus
- Date
- 1930-10-01
- Page
- Seite 196 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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Hugo Rachel Die Joden im Berliner Wirtschaftsleben zur Zeit des Merkantilismus den Gang des Berliner Wirtschaftslebens eingewirkt hätten. Wenn man auch die verhältnismäßig starke Kapitalansammlung in Händen von Juden, ihre Beteiligung an Unternehmungen, die Entwicklung ihrer Bankgeschäfte, wenigstens seit der Zeit des Siebenjährigen Krieges als wesentliche Erscheinungen anerkennt, so war das alles doch nicht eben neuartig und bahnbrechend und es war mehr eine Folge des allgemeinen Aufschwungs, als daß es diesen erst hervorgerufen hätte. Man könnte, soweit sich ein Vergleich überhaupt ziehen läßt, die Bedeutung der französischen Refugierten, die allerdings unter wesentlich günstigeren Bedingungen hier wirkten, für das Berliner Wirtschaftsleben wohl noch höher einschätzen, ohne daß man auch hier im Sinne von Max Weber und Troeltsch eine ursächliche Beeinflussung durch die besondere Art der calvinistischen Wirtschaftsgesinnung anzunehmen berechtigt wäre. Der wirklich schaffende und treibende Faktor ist vielmehr die landesherrliche Wirtschaftspolitik, daneben die Wirksamkeit tüchtiger Privatleute, die aber, wie Kraut, Splitgerber, Gotzkowsky und Schütze, weder dem jüdischen noch dem calvinistischen Lager angehören. Begnügen wir uns demnach damit, was die vorstehenden Ausführungen bei aller ihrer Lückenhaftigkeit erkennen lassen: daß die Berliner Juden trotz großer Widerstände und Schwierigkeiten es vermocht haben, sich in der neuen Heimat erstaunlich kräftig emporzuarbeiten und einen wesentlichen Anteil nicht nur an der wirtschaftlichen, sondern dann auch an der kulturell-geistigen Entwicklung der Stadt schon damals, in der Zeit der Minderberechtigung, errungen haben. 196