Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1930-1931
- Issue
- Heft 3 (Oktober 1930)
- Article
- Die Juden im Berliner Wirtschaftsleben zur Zeit des Merkantilismus
- Date
- 1930-10-01
- Page
- Seite 175 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Juden im Berliner Wirtschaftsleben zur Zeit des Merkantilismus von Hugo Rachel Arbeiten für eine Berliner Wirtschaftsgeschichte im 17. und 18. Jahrhundert führten mich dazu, die Bedeutung, die das Judentum für das wirtschaftliche Leben der Hauptstadt besaß, zu untersuchen; über das hierbei gewonnene Bild habe ich in einem im Verein für die Geschichte der Mark Brandenburg gehaltenen Vortrag eine gedrängte Uebersieht gegeben. Das Interesse, das diese Ausführungen fanden, lassen es angezeigt erscheinen, sie in etwas erweiterter Form zu veröffentlichen, zumal da Ludwig Geigers treffliche Geschichte der Juden in Berlin schon 1871 erschienen und in mancher Richtung zu ergänzen ist, die neueste in Betracht kommende Publikation, das Buch von Selma Stern (Der preußische Staat und die Juden, Bde. I, II, 1925), aber nur die Verhältnisse bis 1713 behandelt. Ueberdies konnte hier manches noch nicht bekannte archivalische Material verwertet werden. In der Entwicklung des Berliner Wirtschaftslebens sehen wir drei persönliche Faktoren wirksam: das in Gilden und Zünften organisierte Bürgertum als das grundlegende, aber wesentlich beharrende Element, die landesherrliche Wirtschaftspolitik und den sehr starken Einschlag fremder Zuwander er als die vorwärtstreibenden Kräfte. Unter den letzteren sind die wichtigsten und stärksten Gruppen die Refugierten und die Juden. Beide treten fast gleichzeitig in die Erscheinung: 1671 wurde die jüdische, 1672 die französisch-reformierte Gemeinde in Berlin gegründet. Seitdem haben die beiden Elemente der Juden und der Refugierten ununterbrochenen und an Bedeutung wachsenden Anteil an der Entwicklung Berlins. In dem wenig bedeutenden Wirtschaftsleben der älteren Zeit sind die Juden nicht sonderlich hervorgetreten, erst unter Joachim II. erschienen ihrer zwei in Beziehungen zum Hofe, ein gewisser Michel1) und der bekannte Münzjude Lippold. Es ist ja ein allenthalben wiederkehrender Vorgang: sobald ein Fürst für die Hofhaltung, die Finanzverwaltung oder für Heereszwecke außerordent- *) Ludwig Davidsohn, Beiträge zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte der Berliner Juden vor der Emanzipation. Berlin 1920, S. 60. Die Schrift behandelt, soweit sie gedruckt vorliegt, nur das Mittelalter. 175