Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1930-1931
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Halle
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 167 (sequence 2)
- Language
- German
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erwünschten Ueberblick und wertvolle Aufschlüsse- An dieser Stelle kommen nur die Materialien zur Geschichte der Juden in Halle in Betracht. Bekanntlich reicht die Ansiedlung der Juden in der Nähe der berühmten Salzquellen an der Saale in frühmittelalterliche Zeit zurück. Die hallische Judengemeinde stand unter der Schutzherrschaft des Erzbischofs von Magdeburg. Sie teilte im Mittelalter das bekannte Schicksal, das die meisten jüdischen Gemeinden im sächsisch-thüringischen Gebiete in jener Zeit traf und welches die grausamen Folgen der verheerenden Pest, des „Schwarzen Todes", von der Europa um die Mitte des 14. Jahrhunderts heimgesucht wurde, besiegelten. Das Schicksal auch der Halleschen Juden wogt auf und nieder, stürmische Zeiten wechseln mit ruhigeren, bis schließlich das 15. Jahrhundert, das „judenfeindlichste", heraufzieht und der hallischen Judengemeinde wie zahlreichen anderen in Deutschland durch vollständige Vertreibung der Juden 1458 ein Ende bereitet. Noch einmal fanden die Juden im 15. Jahrhundert Aufnahme in der Stadt, mit deren ältester Geschichte auch die ihrige verknüpft war. Aber diese zweite Ansiedlung hatte sich keiner langen Dauer zu erfreuen. Schon 1493 verbannte Erzbischof Ernst die Juden gänzlich aus dem Erzstift Magdeburg. Sie mußten daher auch Halle wieder verlassen. Nahezu zwei Jahrhunderte gehen dahin, bevor sich Juden wieder in Halle ansiedeln dürfen. Die Wiederansiedlung von Juden in Halle steht in Zusammenhang mit den Bemühungen des Großen Kurfürsten und des ersten Königs von Preußen um den wirtschaftlichen und kulturellen Wiederaufbau der gänzlich darniederliegenden Stadt Halle seit 1680. Der lebhafte Handels- und Geldverkehr, welchen die geplante Eröffnung einer Universität daselbst erwarten ließ, lockte besonders zur Niederlassung in der Saalestadt. Diese dritte jüdische Gemeinde, die am Ende des 17. Jahrhunderts in Halles Mauern entstand, ist'bis auf die Gegenwart ohne Unterbrechung lebendig geblieben. (Vgl. Guido K i s c h , Die Anfänge der jüdischen Gemeinde zu Halle. Jahrbuch der Historischen Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt „Sachsen und Anhalt" 4, 1928, S. 132 ff.; daselbst weitere Literaturangaben; ferner Kisch, Entwicklung und Verfassung der jüdischen Gemeinde zu Halle, a.a.O. 6, 1930, S. 306ff.; ferner 5, 1929, S. 332 ff.). Die historische Forschung mußte bisher die Lückenhaftigkeit der urkundlichen Nachrichten über die Geschichte der Juden in Halle, namentlich für die mittelalterlichen Zeiten, beklagen. Leider wird ihr auch durch die Erschließung des hallischen Stadtarchivs neues Quellenmaterial in nennenswertem Umfange kaum zugeführt werden können. Denn nur in seltenen Fällen reicht das Alter seiner urkundlichen Bestände höher als in das 15. Jahrhundert hinauf. Ueber die Neuansiedlung der Juden in Halle am Ende des 17. Jahrhunderts und die Geschichte der dritten jüdischen Gemeinde in. Halle gewährt das Stadtarchiv gleichfalls keine nennenswerten Aufschlüsse. Man erfährt nur, daß in der Mitte des vorigen Jahrhunderts mit einer großen Menge „unbrauchbarer" Papiere, „die zum Teil schon vermodert sind und einen nachteiligen Einfluß auf die Gesundheit haben", auch die Akten über Schutzgeld vernichtet worden sind (Neuß, S. 18 f.). Allen anderen hallischen Judenakten ist es nicht besser ergangen. Denn Kapitel XXVII der Magistratsregistratur „Juden" weist nur diesen Inhalt auf: „A. Allgemeines (1817); B. Etablissement und Aufnahme (1808)." (Neuß, S. 55.) Der Freundlichkeit von Herrn Dr. Neuß verdanke ich die nachfolgende eingehendere Aufstellung über den Inhalt dieser Aktenbestände: A. Allgemeines: 1. Juden betreffend 1817; 2. Kommunales Rechnungswesen; 3. Generalia 1829; 4. Feststellung eines neuen Statuts für die innere und äußere Verfassung der hiesigen jüdischen Gemeinde 1851; 5. Generalia 1860. B. Etablissements und Aufnahmen: 1. Die nach Maßgabe der Konstitution des Königreichs Westfalen von mehreren auswärtigen Juden nachgesuchte Erlaubnis zur Bewirkung ihrer Etablissements in Halle 1808; 2. Die Etablissements der Juden 1820; 3. Akten, 167