Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1930-1931
- Issue
- Heft 2
- Article
- Staatsbürgerolle der Breslauer Juden von 1812
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 162 (sequence 13)
- Language
- German
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Willy Cohn. Staatsbüreerrolle der Breslauer Juden von 1812. I. Teil trag zur Cultur- und Sittengeschichte Schlesiens, in vertrauten Briefen eines dem Tode Entgegengehenden. Breslau 1840". Dort heißt es S.34: „Die jüdische Gemeinde zu Breslau erhielt teils auf eigene, teils auf königliche Kosten die sogenannte Wilhelmsschule und die provinciellen Medicinalanstalten, insbesondere die Geburtshilfe, eine gänzliche Verbesserung und Erweiterung, nachdem Friedrich auch für diese nächste Forderung der Menschlichkeit an die Wissenschaft die ersten Schritte getan. Der jüdische Arzt Elias Henschel, ein Mann der durch sein reiches Wissen bis ins hohe Greisenalter einer der ersten Wohltäter Breslaus war, erwarb sich auch den Ruhm, vorzugsweise die Entbindungskunst aus ihrer Kindheit heraufgeführt zu haben, für welche außer der bereits bestehenden Lehranstalt zu Breslau ähnliche Institute zu Oppeln und Glogau ins Leben traten." Vgl. J. Graetzer: Lebensbilder hervorragender schlesischer Aerzte aus den letzten vier Jahrhunderten (Breslau, Schottlaender, 1889, S. 92). Elias Henschel hat auch die Statuten der Gesellschaft der Brüder vom Jahre 1793 abgefaßt und war Pflegevater von 1763—1797. (Vgl. Brann, Geschichte der Brüdergesellschaft S. 60). Seine Grabstatte befindet sich auf dem alten jüdischen Friedhof auf der Claassenstr. unter Nr. 136 in Breslau. Vgl. Maximilian Schlesinger: Berühmte Grabstätten in Breslau (ein aus Zeitungsausschnitten zusammengestellter Band der Stadtbibliothek zu Breslau, Sign.: Ye. 192). Vgl. Heppner: Die Stamm-Numeranten (Bresl. Jüd. Gemeindeblatt 24.5.1925), ders.: Jüdische Persönlichkeiten in und aus Breslau. (Breslauer Jüdisches Gemeindeblatt Nr. 2/1930 S. 19). Elias Henschel nahm die Stamm-Nr. 69 nicht an, die auf seinen Bruder überging. Ferner Louis L e w i n: Geschichte der israelitischen Kranken - Verpflegungsanstalt zu Breslau "j?" n» Breslau 1926, S. 48 u. a. Stellen sowie Anm. 67, wo weitere Literatur zu Elias Henschel angegeben ist. Zu 40 (S. 153). August Henschel war wie sein Vater Mediziner (vgl. J. Graetzer: Lebensbilder S. 103 ff., dort wird sein Geburtsdatum mit dem 20. Dezember 1790 angegeben). Er besuchte die Wilhelmsschule, später das Friedrichs- und das Elisabeth-Gymnasium; am 13. März 1813 promovierte er als erster Doctor der Medizin (die Breslauer Universität ist bekanntlich 1811 gegründet) nach bestandenem Rigorosum „honoris causa gratis". In den Kriegsjahren 1813 und 1814 brachten ihm die Typhus-Epidemien viel Arbeit, 1816 habilitierte er sich, 1820 ließ er sich taufen (damals kamen wohl die Vornamen Wilhelm Eduard hinzu), 1821 wurde er Professor extraordinarius; 1832 Ordinarius; er war mehrere Male Dekan und 1852/53 Rector. Besondere Verdienste erwarb er sich auf dem Gebiete der Geschichte der Medizin. Seit 1850 kränkelte er; er starb am 24. Juli 1856. Ueber ihn schrieb der berühmte Botaniker Ferdinand Cohn: „H. war ein ausgezeichneter Historiker, gründlich, zuverlässig, erschöp- 162