Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1930-1931
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Niederlassung der Juden in Berlin im Jahre 1671
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 132 (sequence 2)
- Language
- German
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Moritz Stern. Die Niederlassung der Juden in Berlin im Jahre 1671. auf erfolgte nach Vortrag des Oberpräsidenten von Schwerin am 19. April 1670 eine Reskript an Neumann, daß der Kurfürst nicht abgeneigt sei, von den Vertriebenen 40 bis 50 „reiche, wohlhabende Leute, welche ihre Mittel ins Land bringen und hier anlegen wollten", in seinen Landen aufzunehmen. Von der Zusage des Kurfürsten machten nur wenige Wiener Juden Gebrauch. Die Masse der Vertriebenen wandte sich nach dem nahe gelegenen Mahren. Einzelne zogen in andere Länder, wenn sie dort schon Verwandte hatten. Das fern gelegene Brandenburg kam weniger in Betracht Auch sollten dort nur reiche Leute aufgenommen werden. Es war eigentlich nur ein einziger Verwandtenkreis, der nach dem neuen Asyl strebte: Der Rabbinatsassessor Model Ries, sein Schwager Benjamin Mirels-Fränkel, seine Söhne Abraham, Koppel, Hirschel Ries, Abrahams Schwiegervater Jakob Gumprecht und Abrahams Schwager Benedikt Veit, der gleichfalls ein Schwiegersohn Jakob Gumprechts war. Ihnen schlössen sich David Nathan6) und Hirschel Lazarus an'). Der letztere sowie Veit und Abraham Ries waren in Langenlois bei Krems (Niederösterreich), die anderen in Wien ansässig. Nicht „kurze Zeit darauf"8), sondern erst ein Jahr später erschienen die genannten Hirschel (Hirsch) Lazarus, Benedict (Baroch) Veit und Abraham Ries (Abram Marx9) in Berlin10). Anfang Mai 1671 bedankten sie sich beim Kurfürsten schriftlich11) für das an Neumann gegebene Versprechen und baten um Angabe der Orte der Niederlassung, sowie um baldige Ausstellung eines Schutzbriefs. Sie seien von „andern östereichischen Juden, so theilß in Wien gewohnet" geschickt worden und bäten um Angabe der Orte, an denen sie sich niederlassen könnten. Ihre Frauen und Kinder seien noch „an der Grentze zwischen Oestereich und Mehren". Der Kurfürst übergab12) das Gesuch am 4. Mai seinen Geheimen Räten: sie sollten feststellen, was er den Juden durch Neumann habe versprechen lassen, und mit Hinzuziehung der Amtskammer ihre Meinung darüber mitteilen. Besonders wünschte er zu wissen, wie 6) Im Schätzungsprotokoll der Wiener Judenhäuser 1671 bei Schwarz, Das Wiener Ghetto, S. 248—50, und Pribram, Urkunden und Akten I, S. 250—52, werden als Hausbesitzer genannt; David Nathan (Nr. 2), Copel Rißen (Nr. 30), Modi Riß (Nr. 52), Benjamin und Salomon Frannkhl (Nr. 57). 7) Ob die Beiden gleichfalls dem Verwandtenkreis angehörten, läßt sich nicht feststellen. 8) Wie S. Stern, Darstellung (S. 12) angibt. 9) Das ist Marcus, nach dem Vater Mordechai (Marcus) Model genannt. 10) Daß die Drei nach Potsdam kamen (Kaufmann, S. 208), geht aus den Akten nicht hervor, ist auch unwahrscheinlich, „anhero geschicket" im Gesuch und im Reskript vom 4. Mai beziehe ich allgemein auf die Mark, bestenfalls auf Berlin. u) Als Absender des Gesuchs werden zum Schluß genannt: „vertriebene Juden aus Oesterreich". Die Einzelnamen sind im Gesuch genannt: „wir drei Personen als Hirsch, Baroch wie auch Abram Marx". 12) Außer der Abfertigung ist im Geheimen Staatsarchiv (R 21, Nr. 203) noch das Konzept, gez. O. F. v. Schwerin, vorhanden. 132