Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1930-1931
- Issue
- Heft 2
- Article
- Studien über die bauliche Entwicklung der Judengassen in den deutschen Städten
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 123 (sequence 23)
- Language
- German
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Alexander Pinthus. Studien über die bauliche Entwicklung der Judengassen in den deutschen Städten. Stadt verwandelt. 1547 Gründungsurkunde. — Louis Lewin: „Gesch. d. J. in L.", Pinne 1904. — 109. Posen. 1. (Vermutlich mit Stadtausbau im XIII. Jhrh.) 3. Judenstraße vom Markt, Breitestraße nach Norden. 5. 1300 Judenverfolgung, 1464 Verfolgung nach Brand, der in der Judengasse ausgebrochen war. 6. 1142 Posen noch ganz auf dem östlichen Wartheufer. 1153 auf dem westlichen Ufer gegründet. Im XV. Jhrh.: Gerberei, Walleschei, Sand. — Adolf Warschauer: „Gesch. d. Prov. Posen in poln. Zeit", Beil. z. hist. Monatsschr. f.d. Prov. Posen, 1914. — c) Die Lage der Judensiedlung als Folge derjüdischen Lebensbedingungen. Das Ergebnis der Notizen über die Lage der Judengassen in einer Reihe von deutschen Städten und der beigefügten Stadtpläne ist auf der vorangehenden Tabelle in zeitlicher Folge zusammengefaßt. Darin fallen verschiedene, häufig beobachtete Plätze auf, die offenbar mit den Lebensbedingungen der Juden in Zusammenhang stehen: sei es die Lage am Wasser, die Nachbarschaft der Hauptkirche, des Rathauses oder der Burg, sei es die Verbindung mit dem Markte und den Hauptstraßen oder wieder die Lage an der Stadtmauer. Ob freilich die wiederholt beobachtete Lage am Wasser mit religiösen Ursachen zu begründen sei, ist unwahrscheinlich, wenn auch für viele Zwecke rituellen Gebrauchs fließendes Wasser benötigt wird. Zwar glaubt Gengier26) eine Vorliebe für die Anlage der Synagogen am Wasser beobachten zu können. Auch finden wir u. a. in Ueberlingen einen eigenen Zugang zum See und in Erfurt ein eigenes Flußbad; in Bingen führt die Judenpforte zum Rhein, und in Budweis liegt ein Wassertür! an der Judengasse. Die Nähe des Flußufers hat aber die Anlage eines Ritualbades kaum irgendwo erübrigt, und in anderen Städten, die an Strömen liegen, befindet sich die Judensiedlung in ziemlicher Entfernung vom Ufer, obwohl dort sicher noch Platz gewesen wäre (Trier, Regensburg, Ulm). Die Lage am Wasser wurde also nicht unbedingt gefordert27). Da überdies die Ansiedlung am Fiußufer in den meisten Fällen auch zwanglos mit der Bedeutung der Brücken und Wasserläufe für das Wirtschaftsleben oder mit der späteren Besiedlung der Uferstreifen zu erklären ist, möchte ich annehmen, daß ebensowenig wie auf die Ansiedlung selbst, auch auf die Platzwahl religiöse Ueberlegungen eingewirkt haben. Diese Annahme wird gestärkt durch die oft beobachtete Nähe zur Hauptkirche. Wenn irgendwelche religiösen Momente bei der Platzwahl mitgesprochen hätten, würden weder Juden noch Christen diese Nachbarschaft gewählt haben. Die Kirche als Beschützerin der Märkte und Messen dürfte da anziehend gewirkt haben. Denn ohne Zweifel waren die wirtschaftlichen Momente bei der Ansiedlung ausschlaggebend. Die Handelstätigkeit kommt daher in der Lage zu den Verkehrslinien, zur Brücke, zum 26) Gengier: „Stadtrechtsaltertümer", S. 110. 27) Vgl. Elbogen: „Der jüd. Gottesdienst", Frkft 1924, S. 448. 123