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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1930-04-01 · Heft 1 (April 1930) · p. Seite 85

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1930-1931
Issue
Heft 1 (April 1930)
Article
[Rezension]
Date
1930-04-01
Page
Seite 85 (sequence 4)
Language
German
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Brief Nr. 213 ist nicht zu ersehen, auf wen sich die Worte „Bruder meines Vaters" beziehen. — In Brief Nr. 217 müßte es korrekt heißen: Jeremias ben Bendit ben Jeremias; es ist dies die Familie des R. Jeremia ben Jakob aus Halberstadt, gest. zu Berlin, dessen Sohn Bendit in Königsberg ansässig war. — Ich möchte der Hoffnung Ausdruck geben, daß wir recht bald hier von dem Erscheinen weiterer Bände der Jubiläumsausgabe berichten können. Freudenthal; Feder, Ernst: Politik und Humanität. Paul Nathan, ein Lebensbild. 155 Seiten. Deutsche Verlagsgesellschaft für Politik und Geschichte, Berlin. Im Frühjahr werden es drei Jahre, daß Dr. Paul Nathan starb. Mitten aus neuen Plänen, mitten aus zielbewußter Arbeit für Benachteiligte, Unterdrückte und Hilfsbedürftige — für die er sich sein ganzes Leben hindurch ebenso ritterlich als energisch einsetzte — mitten aus rastloser und selbstloser Tätigkeit riß den beinahe Siebzigjährigen kurz nach seiner letzten Rußlandreise am 15. März 1927 der Tod. Einer seiner nächsten Freunde, Dr. Ernst Feder, hat es unternommen, ihm in einem Buche ein Denkmal zu setzen: „Politik und Humanität. Paul Nathan. Ein Lebensbild von Ernst Feder" betitelt sich das biographische Werk, das die Deutsche Verlagsgesellschaft für Politik und Geschichte (Berlin) in sehr gediegener Ausstattung, mit 12 Lichtbildern illustriert, herausgibt. Dieses Lebensbild des in wichtige Geschehnisse seiner Epoche tätig verflochtenen Mannes, der in Arbeitsgemeinschaft mit Führern wie Ludwig Bamberger und Theodor Barth den ausschlaggebenden Ereignissen und Strömungen nahestand, ist ein interessantes, wertvolles Zeitdokument. Jene Blütezeit des Liberalismus erlebt Nathan in der Redaktion der Zeitschrift „Die Nation" als vertrauter Mitarbeiter Bambergers, Barths und Homberg ers mit. Der Tod Kaiser Friedrichs zerstört die zuversichtlichen Zukunftshoffnungen — und so kommt Paul Nathan allmählich dazu, seine Hauptkraft dem jüdischen Hilfswerk zu widmen: die schwierigen Verhandlungen in Rußland und Rumänien zu führen, das großzügige Schulwerk in Palästina zu gründen und auszugestalten. Von da an findet man ihn in zielbewußt-kluger, erfolgreicher Hilfstätigkeit für seine Glaubensgenossen überall da auf dem Plan, wo Schwache unterdrückt und verfolgt werden. Der Weltkrieg läßt es an Gelegenheiten zu derartiger Arbeit nicht mangeln. Und so wird der Bericht Ernst Feders naturgemäß zum Zeitdokument vom Ausgang des vorigen Jahrhunderts bis in unsere Tage. Dieses durch sein Thema interessante Buch gewinnt noch besonderen Wert durch die ganz spezielle Eignung des Verfassers zum Biographen Paul Nathans, mit dessen Wesensart, Gedankengängen und Arbeitskreis er durch jahrelange Freundschaft vertraut war. Das gibt seiner Darstellung sowohl authentische Zuverlässigkeit und klare Erkenntnis der Ursachen und Zusammenhänge, als auch (bei aller zurückhaltenden Sachlichkeit) jene besondere Wärme und undefinierbare Lebendigkeit, die eine solche persönliche Nähe mit sich bringt. Zudem waren Dr. Feder sämtliche von Nathan hinterlassenen Papiere und Aufzeichnungen zugänglich, so daß dieses Lebensbild auch auf Grund eingehender,, sorgfältiger Quellenstudien geschrieben werden konnte. Und da es außerdem Feders eigenstes Arbeits- und Interessengebiet ist, über das er zu berichten hat, ist durchweg in seiner Darstellung die besondere Vertrautheit mit der Materie, das reiche Wissen und die Urteilsfähigkeit des politischen Fachmannes und verantwortungsbewußten Journalisten spürbar. Margot Epstein. 85

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