Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1930-1931
- Issue
- Heft 1 (April 1930)
- Article
- Der "Judenbefehlshaber" im Münsterland
- Date
- 1930-04-01
- Page
- Seite 82 (sequence 3)
- Language
- German
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aber die Hofkammer zu Münster löste das wirklich überflüssig gewordene Amt auf. Der Judenschaft war es, wie der Bericht hierüber lautet, „allzu kostbarlich". Die Juden des Münsterlandes hatten damit keinen großen Verlust erlitten, denn wenn auch in der Person des „Befehlshabers" eine Art Führertum verkörpert gewesen war, so ist doch zu sagen, daß dieser Führer in der Förderung oder gar in der Führung Bücherschau Moses Mendelssohn: Gesammelte Schriften. Jubiläumsausgabe. In Gemeinschaft mit F. Bamberger, H. Borodianski, S. Rawidowicz, B. Strauß, L. Strauß. Herausgegeben von I. Elbogen, J. Guttmann, E. Mittwoch. Akademieverlag Berlin 1929. Erster Band XII / XLVIII / 639 S.; Sechzehnter Band CXLI1 / 310 S. hebräischer Text. Von der Neu-Ausgabe der Schriften Moses Mendelssohns, die als Festgabe zu seinem Jubiläum von der Akademie für die Wissenschaft des Judentums und der Gesellschaft zur Förderung des Judentums in Gemeinschaft mit einem Ehrenausschuß und mit Unterstützung des Hauses Mendelssohn & Co. in Aussicht gestellt wurde, sind nunmehr die ersten beiden Bände erschienen, nämlich Band 1 als erster Band der Schriften zur Philosophie und Aesthetik und Band 16 als dritter Band der hebräischen Schriften. Man darf nach diesen beiden Probebänden die Ueberzeugung aussprechen, daß wir mit der Gesamtausgabe ein Muster- und Meisterwerk auf dem Gebiete der Editionen von gesammelten Schriften und ganz gewiß ein solches im Gebiete der jüdischen Literatur einmal besitzen werden. Die äußere Ausstattung allein schon ist eine ganz vorzügliche. Aber auch die Darbietung steht nach Methode und Ausführung auf höchster Warte. Herausgeber der Abteilung, welcher der erste Band angehört, ist Julius Guttmann, Bearbeiter des ersten Bandes Fritz Bamberger. Der Band umfaßt Mendelssohns früheste Arbeiten, die er selber wenige Jahre nach ihrem ersten Erscheinen unter dem Titel „Philosophische Schriften" gesammelt 82 jüdisch-geistiger und kultureller Interessen niemals einen entscheidenden Schritt gewagt hatte. Er war lediglich ein Mittelsmann, ein „Agent" der Obrigkeit, ganz ihr Schatten, — ohne in der Lage gewesen zu sein, für den Aufstieg seiner Glaubensgenossen irgendwie die Initiative zu ergreifen. Eine Aenderung konnte erst eintreten, als im Jahre 1771 ein selbständiges Landesrabbinat gegründet wurde. J. Raphael. herausgegeben hatte. Zum Vergleich der inhaltlichen und sprachlichen Entwicklung sind die fünf ersten Schriften sowohl in ihrer ursprünglichen wie in ihrer späteren Fassung abgedruckt. Aus handschriftlichen Nachlaß sind neu Dispositionen und Bemerkungen Mendelssohns, die er sich gemacht hatte, hinzugekommen, sowie das Sendschreiben an einen jungen Gelehrten, das anonym gedruckt hier zum erstenmal als eine Arbeit aus der Feder Mendelssohns nachgewiesen ist und die zweite Hälfte eines fingierten Briefwechsels darstellt, dessen erste Hälfte gleichfalls im Anhang mit abgedruckt ist. Einleitend gibt Fritz Bamberger eine Geschichte der Entwicklung dieser ersten Schriften, zugleich aber auch eine hervorragende kritische Darstellung ihrer philo» sophischen Ideen. In einem Anhang stellt er die Lesarten zusammen und gibt in einer Reihe von Anmerkungen Aufschlüsse über Personen und Ideen, die in den Schriften selber einer Erläuterung zum besseren Verständnis bedürfen. Das Bild Moses Mendelssohns nach der Federzeichnung von Chodowiecki und eine Probe seiner Handschrift sind dem Bande eingefügt. Der zweite erschienene Band als 16. Band der Gesamtausgabe und als dritter Band der hebräischen Schriften enthält den von Haim Borod i a n s k i zusammengestellten und bearbeiteten Briefwechsel Moses Mendelssohns. Es sind 283 Nummern, davon 209 Reproduktionen, die sich auf die Korrespondenz mit und von Mendelssohn beziehen, die übrigen Nummern sind Angaben fehlender Briefe. Im Anhang werden noch 6 Briefe von Familienmitgliedern untereinander