Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1930-1931
- Issue
- Heft 1 (April 1930)
- Article
- Judaeus Apella
- Date
- 1930-04-01
- Page
- Seite 78 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/2259275-2259282-2259284-2260296--2895-2260399- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Miszellen 1. Judaeus Apella. Zwei empfindliche Irrtümer in Publikationen der letzten Zeit geben Anlaß, kurz auf das Material zu der Bezeichnung Judaeus Apella hinzuweisen. Dubnow IV S. 318 nennt den aus Cosmas von Prag, Chron. d. Böhm., 3, 57 bekannten getauften und später zum Judentum zurückgekehrten Juden Jacob (vgl. auch Germ. Jud. S. 40 Nr. 35), dort Jacobus Apella genannt, mit einem merkwürdigen Mißverständnis Jacob Apelles. — In dem neu erscheinenden Jüdischen Lexikon (Jüd. Verl. 1927) I, 382 schreibt A. Lewinsky, s. v., Apelles von Alexandrien sei nicht zu verwechseln (!) mit Apella, einem angeblich jüdischen Männernamen. Er übersetzt an der einschlägigen Horaz-Stelle Apella mit „leichtgläubig" und meint: „vielleicht bedeutet Apella nur beschnitten". Es ist wohl von Interesse, die Verwendung des Wortes Apella als Bezeichnung für Juden kurz nachzuprüfen. Der Ausgangspunkt ist bekanntlich Horaz Sat. I, 5, 100: credat judaeus apella, non ego. Die vollkommen sinnlose und sprachwidrige Etymologie Apella als a-pellis erwähnen bereits die Horaz-Scholiasten Acro und Optatianus Porfyrius (ca. 330) und auch das vatikanische Glossarium vetus erklärt: Xt-oSspjio^. "Wenn auch Du Cange I, 311 c dies als Judaeus circumcismus noch gelten läßt, haben doch schon Forcellini-de Vit I, 313 diese sog. Etymologie mit Ironie .zurückgewiesen. Selbstverständlich ist Apella identisch mit Apelles, aus zahlreichen, insbesondere ciceronianischen Belegstellen als Name von Freigelassenen in Rom bekannt. Die Ueberiragung auf Juden ist ganz natürlich, wenn man bedenkt, daß die Juden selbst Freigelassene waren und im Freigelassenenviertel am Tiber wohnien. Georges 1^, 485 schlägt ziemlich 78 geschickt als Uebersetzung für die Horaz - Stelle vor: „das glaube der Jude Itzig". Diese Uebersetzung von Apella durch einen verächtlichen Standes- oder Klasseneigennnamen ist noch treffender als die Erklärung im Thes. ling. lat. II, 207, 46 mit superstitiosus. Nicht uninteressant ist die Tatsache, daß das Anwendungs- oder, wenn man will, Zitiergebiet von (Judaeus) Apella beschränkt ist. Wenn die bei Forcellini-de Vit a. a. O. zitierte Lesart des Alcimus Ecdicius Avitus, Bischofs von Vienne (gest. 518), Poem. V, 362, Judaeus apella richtig wäre, läge hier wohl die erste Belegstelle vor. Tatsächlich aber ist diese Lesart fallen gelassen worden und die Ausgabe des Avitus in Mon. Germ. Auct. antiqu. VI 2, 264 bezeichnet sie nicht einmal mehr als Variante. So bleibt als erster Fall Judaeos Apellas in der Chron. VI c. 12 des Thietmar (Bischof von Merseburg, 976—1018) Mon. Germ. SS. III 809. Hieran schließen sich zwei Stellen bei Cosmas Chron. d. Böhm. (Mon. Germ. ed. Bretholz 1923) I, 6 S. 16: quod Judeus credat Apella und III, 57, S. 231, eben die erwähnte Stelle Jacobus Apella. Die Stelle I, 6 macht unzweifelhaft, daß nur Horaz der Ausgang dieser Anwendung ist. Sodann finden wir Apella wieder bei dem Reimser Kleriker Petrus de Riga (gest. 1209) im Buche Exodus von dessen auf etwa 1170 anzusetzende Umdichtung der Bibel, die unter dem Namen Aurora bekannt ist. (Die zu ihrer Zeit sehr populäre Aurora, deren Text in mehreren Dutzend Handschriften vorliegt, ist noch ungedruckt, vgl. DümmTer im NAFäDG 20, 231 f). Die Bezeichnung Apella als Jude hat sich lange gehalten, ist sogar in gewissem Sinne aus der Funktion des Spitznamens herausgehoben und objektiviert worden. Das Dictionarium Germanicolatinum des Schweizers Pe