Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1930-1931
- Issue
- Heft 1 (April 1930)
- Article
- Kaiser Friedrich II., der Hohenstaufe, und die Juden
- Date
- 1930-04-01
- Page
- Seite 68 (sequence 1)
- Language
- German
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Kaiser Friedrich IL, der Hohenstauf e, und die Juden von Alfred Stern Die deutsche Literatur ist vor kurzem durch ein ausgezeichnetes Werk „Kaiser Friedrich II." von Ernst Kantorowicz (Berlin, Bondi Band 1 1927) bereichert worden. In diesem Werk, das jeden Ballast von Quellennachweisen und Anmerkungen verschmäht, das aber durch einen zweiten Band „Untersuchungen und Forschungen zur Geschichte Friedrichs II." ergänzt werden soll, wird auch an mehreren Stellen des Verhältnisses des großen Hohenstaufen zu den Juden gedacht. „Der Kaiser, auf dessen Geldmünzen (den Augustalen) sich nicht das mindeste christliche Symbol vorfand", der „ohne jede Beziehung auf den Christ, als ein neuer Caesar Augustus nur durch sich selbst Glauben forderte" (S. 206), übte gegenüber Andersgläubigen eine der Weite seines geistigen Horizontes entsprechende Duldsamkeit. Wie Mohammedanern und orthodoxen Griechen kam sie auch den Juden zustatten, die er in seinem süditalienischen Königreich vorfand oder die er 1223, als seiner Flotte ein Ueberfall der maurischen Insel Gerbes im Golf von Kabes gelungen war, nach Sicilien verpflanzte (S. Eduard Winkelmann: Kaiser Friedrich II. Band I S. 207 Leipzig 1889). Ihres Glaubens wegen die Juden zu verfolgen, lag ihm fern. Gelegentlich sprach er es aus: „es dürfe keiner deshalb, weil er Jude oder Sarazene sei, unschuldig bedrängt werden". Er trat sogar mit jüdischen Gelehrten aus Spanien und aus der Provence, deren astronomische und philosophische Kenntnisse er zu würdigen wußte, persönlich in Verbindung. Jehuda Ben Salomon Kohen aus Toledo kam schon in jungen Jahren an seinen Hof und verfaßte hier eine Encyklopädie über Werke des Aristoteles, Euklid, Ptolemäus, Jakob Ben Abba Mari (auch Jakob Anatolio genannt) aus der Provence, Sekretär des Michael Scotus, der in Neapel u. a. hebräische Uebersetzungen des Ptolemäus sowie der Logik des Aristoteles mit den Kommentaren des Averroes anfertigte, widmete sie dem Kaiser, diesem „Freunde der Weisheit, welcher mich erhält". Die Werke des Maimonides lernte dieser durch Moses Ben Salomon aus Salerno kennen. Seinem Beispiel folgte mancher seiner höfischen Vertrauten, der sich bei jüdischen Gelehrten über mathematische und naturwissenschaftliche Gegenstände Rates erholte. Indessen von völliger Gleichberechtigung der nicht christlichen und der christlichen Untertanen des Kaisers war keine Rede. „Ein unauf- 68