Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 4
- Article
- Zwei Mendelssohn-Festschriften [Rezension]
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 333 (sequence 2)
- Language
- German
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dann vor allem die besondere Begabung M's für die empirische Psychologie und ästhetische Theorie erfahren eine lichtvolle und vertiefte Behandlung; das fünfte (Schluß-)Kapitel enthält M's Religionsphilosophie und Staatsphilosophie aus „Jerusalem"; ohne daß hier in dem Schwerpunkt des eigentlichen Problems „Moses Mendelssohn" neue über die liberaljüdische Theorie hinausgehende Erörterungen angestellt werden, wofür die „Festschrift" vielleicht auch nicht der richtige Platz ist. Aus dem gleichen Grund darf man auch von der dritten Arbeit, von Simon Bernfeld, über Moses Mendelssohns Wirken im Judentum keine neuen eigentümlichen Ansichten über M. als Juden, über die hier offen klaffende Zwiespältigkeit, erwarten. M. besaß kein Verständnis für die Geschichte des Judentums, weil er — trotz der Ueberkrustung, in der wir ihn in die „deutsche Nationalliteratur" säuberlich eingeordnet zu sehen gewohnt sind, — mit dem Urjudentum noch ganz urmütterlich zusammenhing wie irgend ein mittelalterlicher Scholastiker mit dem Christentum, also ohne die Distanz, durch die erst das historische Verständnis in unserem Sinn ermöglicht wird. Der Rationalismus der „Aufklärung" und der von Maimonides bleiben grundverschieden. M. hat den Maimonides so begriffen, wie er Spinoza und Kant begriffen hat. Am wichtigsten ist die Feststellung Bernfelds, daß die hebräische Sprache M's Muttersprache war. Von diesem Urgrund hat sich M. sein Leben lang nicht entfernt und auch nicht entfernen wollen. Daraus wären für einen Neuaufbau der geistigen Gestalt M's die Konsequenzen zu ziehen, was Bernfeld unterläßt. Der vierte Beitrag, die überaus verdienstliche Uebersicht „Mendelssohn- Literatur" von Herrmann Meyer, enthält 214 Titelanführungen. Dabei legt sich diese Bibliographie weise Beschränkung auf, strebt keine Vollständigkeit an. und läßt „Erwähnungen" M's in der Literatur zur jüdischen Geschichte, insbesondere zur Geschichte der Juden in Deutschland und deren Emanzipation, zur Geschichte der deutschen Philosophie und Literaturgeschichte sowie in Schriften über Lessing und dessen „Nathan" beiseite. Deshalb wird die immer noch grundlegende Darstellung von Graetz im 11. Band der „Geschichte der Juden" nicht erwähnt; für eine M.-Bibliographie, die auch die Einzelheiten des gesamten Schaffens M's begleitet, wäre aber doch der ganz ursprüngliche aus ersten Quellen geschöpfte Exkurs von Graetz „Das Interdikt gegen M's Pentateuchübersetzung und Wesselys Schreiben" sehr willkommen. Bei Hamann und Herder fehlt hinter Nr. 39 bezw. 44 die auch für die M.-Forschung grundlegende Sammlung von Otto Hoffmann aus dem Jahr 1888, während die Ergänzungssammlung in Nr. 39 aufgeführt ist. Neben Kühnemann (Nr. 42) behält gerade für die M.-Literatur immer noch Haym seinen alten Rang. Max Wedel „Herder als Kritiker" (1928) enthält über M's Stil ganz neu einschneidende Forschungen. Hettners M.-Darstellung ist keine bloße „Erwähnung", sondern immer noch das beste, Muncker überragende M.¬ Bild in der älteren deutschen Literaturgeschichte. Aus Hermann Cohens Kriegsbroschüre, Deutschtum und Judentum, werden dagegen in Nr. 165 die Stellen über Jerusalem und M's Geschichtsphilosophie sorgfältig angegeben. Interessant sind die Zitate Nr. 150 und 150a. Benedikt Stattler war der bedeutendste Lehrer Johann Michael Sailers an der Universität Ingolstadt. Ueber Sailers Beziehungen zu M. ist in meinem Aufsatz im vorigen Heft das Nötigste angedeutet. In der letzten Zeile der Aufführung Nr. 150 ist die Seitenzahl nicht richtig; außerdem ist in der gleichen Zeile ein Druckfehler stehen geblieben. II. Eine willkommene eindrucksvolle Ergänzung zu dem Sammelbändchen der Encyclopaedia Judaica ist das Gedenkbuch der jüdischen Literaturvereine. In der Flut von Gedenkartikeln und in der stattlichen Reihe gehaltvoller wissenschaftlicher Einzelarbeiten wird vielleicht aus den wenigen einführenden Seiten von Elbogen am klarsten, daß das Problem „Mendelssohn" ein Erziehungsproblem ist. Die gelehrten Fragen über die literarische und philosophische Wirksamkeit M's treten dagegen zurück. Elbogen lehrt uns, daß alle Wege der heutigen jüdi- 333