Mannheim
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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1930-01-01 · Heft 4 · p. Seite 322

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1929-1930
Issue
Heft 4
Article
Oberrabbiner Michael Scheuer als Kritiker seiner Zeit
Date
1930-01-01
Page
Seite 322 (sequence 1)
Language
German
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Oberrabbiner Michael Scheuer als Kritiker seiner Zeit _ . TT von Isak Unna In Mannheim fungierte als Rabbiner von 1782—1809 R. Michael Scheuer. Er war ein Sohn des R. David Tewele Scheuer, der, zuerst dem Frankfurter Gelehrtenkreise angehörend1), später in Bamberg und zuletzt in Mainz als Rabbiner wirkte. Bei der Leitung seiner großen Jeschiwa stand ihm sein Sohn Michael zur Seite, bis dieser selbst 1778 als Rabbiner nach Worms kam; nach vierjähriger Wirksamkeit wurde er von dort als Stadtrabbiner nach Mannheim berufen. Nach dem Tode des kurpfälzischen Oberlandesrabbiners R. Naftali Hirsch Katzenellenbogen (1800) übernahm er auch die Stelle eines Oberrabbiners über einen Teil der Landjudenschaft. Er besaß eine umfassende talmudische Gelehrsamkeit und widmete sich, soweit es seine ausgedehnte Tätigkeit gestattete, mit großem Eifer dem Studium und dem Unterricht. Selbst schwere körperliche Leiden ließen ihn in seiner Tätigkeit nicht erlahmen. Im Anfang hatte er auch eine große Jeschiwa, die allerdings später infolge der kriegerischen Wirren und der allgemeinen Ungunst der Zeiten abnahm. Dem Rabbinat unterstand damals in der Kurpfalz auch noch die Zivilgerichtsbarkeit in Streitfällen zwischen Juden, und es war nur die Berufung an die nichtjüdische Gerichtsbehörde zulässig. In einer Urkunde aus dem Jahre 1806 bemerkt R. Michael Scheuer, er habe in den 24 Jahren seiner Tätigkeit mit seinem Kollegium etwa 200 Rechtsfälle teils rechtlich entschieden, teils gütlich beigelegt; nur in 3 Fällen sei Berufung eingelegt, aber wieder zurückgezogen worden. Der Uebergang Mannheims an Baden hatte auch auf die Verhältnisse der Juden einen tiefgehenden Einfluß. Im Jahre 1809 wurde als Verwaltungsbehörde für die religiösen Verhältnisse der „Oberrat der Israeliten" konstituiert, und in einer nach Karlsruhe einberufenen Vertreterversammlung sollte der Ausbau der neuen Organisation beraten werden. Zu dieser Versammlung begab sich auch R. Michael Scheuer trotz seines hohen Alters und seines leidenden Zustandes; kurz nach seiner Ankunft erkrankte er und starb am Abend des 13. August 1809. Unter großer Anteilnahme wurde er am folgenden Tage in Karlsruhe bestattet2). 1) M. Horovitz, Frankfurter Rabbinen IV, S. 34. 2) Die biographischen Angaben s. bei Löwenstein, Geschichte der Juden in der Kurpfalz, S. 264—66. 322

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