Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Vertreibung der Juden aus Weißenburg 1520
- Date
- 1930-01-01
- Page
- Seite 297 (sequence 1)
- Language
- German
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Die Vertreibung der Juden aus Weißenburg 1520 von Moritz Stern Das Ende der mittelalterlichen Judenansiedlungen in Augsburg (1438), Nürnberg (1498), Nördlingen (1506), Regensburg (1519) und Rothenburg (1520) ist durch mehr oder minder ausführliche Darstellungen bekannt. Ueber die gleichfalls im Jahre 1520 erfolgte Ausweisung aus dem mittelfränkischen Weißenburg im Nordgau sind wir weniger informiert. Es wird daher von Interesse sein, über diese Weißenburger Vertreibung hauptsächlich auf Grund einer im Münchener Hauptstaatsarchiv (Reichsstadt Weißenburg Fasz. 50) aufbewahrten Pergamenturkunde neuen Aufschluß zu erhalten. Die Ausweisung aus Rothenburg war eine Nachwirkung und Nachahmung der Vertreibung aus Regensburg. Auch darin glichen sich beide Reichsstädte, daß die Synagogen sofort niedergerissen und durch christliche Gotteshäuser ersetzt wurden. Sehen wir, was sich in der dritten Reichsstadt abspielte, und lassen wir zu diesem Zwecke zunächst den Text der erwähnten Weißenburger Urkunde folgen: Wir die hernachbenannten, mit namen alt Feustlein, Mairlein Jud, Jacob, Weniamynn, Secher, Enoch, Feustlein, Maierlein, Dofelein Jud, Göszlein Jud, Seligkman alt Ficker Juden son, Mergem jung Ficker Juden weib, Sarlein Aaron Juden weib, Sarelein Mairin und Mundlein Sambson Juden weib bekennen offennlich und thun kunt allermenigulich mit dem brieff: Nachdem wir ertliche jar in der löblichen des heyligen reichs stat Weyssennburg unnser wonung und ansitz gehapt haben, ain erber weyser rat daselbst uns mit trewen beschützt und beschirmbt und erbercklich ob uns gehalten haben und wir dann ettliche zeit her willens und furnemens gewesen sind und noch, unnser anwesen daselbst zu änndern und ausz Weyssenburg zu ziehen ursach halben, das uns an unnser narung abgat, die umbsässen zu ringsumb uns abholt worden sind, können und mögen unnser schulden nit einpringen. Zu dem so sechen wir augenscheinlich, das ain gemain und burgerschafft ee gemelter stat Weyssennburg in Unwillen yee lenger yee mer über uns erhitzigt und erzürnt ist, dann yetzo bey kurtzen tagen hat sich zugetragen, das ettlich mans und weiber personen, auch junge junckfrawen und kinder, unwissend ains erbern rats sich unterstanden haben, ertlichen under uns in unnsere hewser und synagog gelauffen, varnus, pucher und andere dergleichen geplündert. So pald aber das an ain erbern rat gelangt, haben sy zwien irer burgermaister, die sollichen unlust und fürnemen getempfft, hin hinder in unnser gasz verordent. Als sich aber dieselb empörung widerumb ernewert 297