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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 213

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1929-1930
Issue
Heft 3
Article
Das Bild Mendelssohns bei seinen Gegnern bis zum Tode Hegels
Date
1929-01-01
Page
Seite 213 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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Das Bild Mendelssohns bei seinen Gegnern bis zum Tode Hegels Ein Beitrag zum Neuaufbau der geistigen Gestalt Mendelssohns von Ludwig Feuchtwanger Ein zufälliges Geburtstagsdatum scheint notwendig, um endlich auch das Bild Moses Mendelssohns zu befreien von der konventionellen Iiteratur- und kulturgeschichtlichen Betrachtungsweise, um nun endlich auch seine geistesgeschichtliche Position zu bestimmen, wie dies für seine Zeitgenossen, namentlich für Hamann längst geschehen ist. Der Frage darf nicht ausgewichen werden, ob eine Gegenwart, zu der eben derselbe Hamann, dann Sailer, Baader, Kierkegaard, kurz alle Gegner eines optimistischen Vernunftglaubens vernehmlicher sprechen als die Führer der „Aufklärung", berufen ist das Versäumte nachzuholen. In den allerneuesten literargeschichtlichen Darstellungen Mendelssohns ist kein Ansatz gemacht, die vielfach beklagte rein sensationelle Sehweise vom „jüdischen Sokrates" aufzugeben. Oskar Watzel gibt in seiner 1928 begonnenen großangelegten, noch nicht vollendeten Darstellung deutscher Dichtung von Gottsched bis zur Gegenwart x) als Mendelssohnbild auch heute nicht viel mehr als eine Paraphrase des Zurufs der „Xenien" an Nicolai: Zur Aufklärung der Deutschen hast Du mit Lessing und Moses Mitgewirkt; ja, Du hast ihnen die Lichter geschneuzt. Walzel verläßt erst wieder die althergebrachten Pfade der Literaturgeschichtsschreibung, wo er der Gestalt Johann Georg Hamanns neue, und zwar höchst reizvolle Seiten abzugewinnen weiß. Der vor Kurzem verstorbene Leipziger Literaturhistoriker Albert Köster widmet in seinem wichtigen Nachlaßband aus dem Jahre 1925 über die deutsche Literatur der Aufklärungszeit2) Mendelssohn die ausführlichste Zeichnung seit Erich Schmidts 3) allzu weltmännisch sicherer, an den Problemen vorbeischlendernder Würdigung unseres Philosophen und nach Hermann Hettners 4) immer noch unerreichter, enthusiastisch bejahender Schilderung seiner „stillen, aber weitgreifenden Wirksamkeit". Köster deutet wohl richtiger und nüchterner als Hettner auf den eigentlichen Hauptgrund von Mendelssohns merkwürdig breiter Wirkung bei den Zeitgenossen, indem er sich Lichtenbergs Bemerkung zu eigen macht: Wenn Mendelssohn kein Jude gewesen wäre, zu einer Zeit, als jüdische Schriftsteller noch selten waren, so wären seine Leistungen 213

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