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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1929-01-01 · Heft 3 · p. Seite 212

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1929-1930
Issue
Heft 3
Article
Moses Mendelssohn und die religiösen Gestaltungen des Judentums im 19. Jahrhundert
Date
1929-01-01
Page
Seite 212 (sequence 12)
Language
German
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Mix Wiener. Moses Mendelssohn und die religiösen Gestaltungen des Judentums im 19. Jahrhundert die populäre Vorstellung des gemeinen Mannes handelt. Man empfindet das am deutlichsten, wenn es darum geht, sich des eigentümlichen Wertes des Judentums im Gegensatz zum Christentum bewußt zu werden. Da erscheint im Brennpunkt des Interesses die Frage des jüdischen Universalismus. Man sucht ihn, der durch die Begrenzung der Religion auf den einen Stamm bedroht erscheint, und auch stets verdächtigt ward, durch den Hinweis auf die jüdische Lehre zu retten, die den radikalsten Universalismus, nämlich den der sittlichen Vernunft, enthalte. So finden wir in Anschauungen von Männern wie Abraham Oeiger, Ludwig Philippson, Leopold Stein, jene Verschmelzung der Aufklärungshumanität mit dem Judentum, die, in Mendelssohn zum ersten Mal vollzogen, dem Judentum des 19. Jahrhunderts zum Eigen geworden ist. Das tritt in den liberalen Wortführern noch stärker hervor, weil das Gesetz, von Mendelssohn anerkannt, da es zu seiner Zeit, noch eine ungeheuer stark wirkende lebendige Realität war, hier im systematischen Aufbau des Judentums entweder an die Peripherie geruckt oder gar mit Schweigen übergangen wird. Im Grunde genommen aber kann Mendelssohn auch für diese Haltung zum Gesetz als ein Vorgänger des Liberalismus aufgefaßt werden, insofern er es nicht organisch in sein Religionsbewußtsein einbezieht. Nur auf einen bezeichnenden Unterschied fällt unser Blick. Er betrifft die Deutung der Lehre vom Messias. Die Anlehnung der Idee eines weltgeschichtlichen Fortschrittes an den Messiasgedanken unter Ausschaltung einer persönlichen von Gott entsandten Gestalt blieb der späteren Zeit vorbehalten. Bei Mendelssohn hätte ja auch diese Umdeutung keinen Sinn, da er nicht den Fortschritt des menschlichen Geschlechts, sondern lediglich die persönliche Vervollkommnung der einzelnen Individuen kennt. Hier ist die Entwicklung durch L e s s i n g und Herder über ihn hinweggegangen. Aber wenn die Modernen solchen Wert darauf legten, die Anschauung vom Messias zum messianischen Reich, zum allgemeinen menschlichen Fortschritt weiter zu bilden, so lag das ja im Geiste jener Vernunftreligion, die nach Mendelssohn mit dem Judentum eins zu setzen ist. 212

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