Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 2 (Juli 1929)
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Passau
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 134 (sequence 16)
- Language
- German
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W. M. Schraid. Zur Geschichte der Juden in Passau. letztere Auszug doch in der Angabe der Namen genauer. Aus ihm ergibt sich folgendes Bild: Ein verhafteter christlicher Knecht, Namens Christof Eisengreishamer, sagte bei zwei Vernehmungen am 10. und 26. März 1478 aus, er sei 14 7 7 von den zwei Juden U n g e r und Schulklopfer Mandl als Briefbote nach Prag gegangen; bei der Rückkunft habe er ihnen, da er oft gehört, daß sie das Sakrament kauften, gesagt, er könne ihnen das verschaffen, womit sie einverstanden waren. Darauf sei er an einem Freitag Nachts in die Marienkirche zu Freyung (Markt im bayr. Wald) eingebrochen, habe den Opferstock beraubt und aus der „Kapsen" 8 Partikeln (Hostien) mitgenommen, die er am Sonntag den beiden genannten Juden um 1 Gulden rheinisch verkauft habe. Weiter bekannte er, daß er am 16. August 1477 mit zwei anderen aus der Kirche zu Weng (im Rottal) 7 Hostien genommen und sie um U/o Pfd. Pfg. an den Juden Süttel nach Regensburg verkauft habe. Darauf wurden die ansässigen Juden Mändl, Kolman, Völkl, Walch, Veidl, der alt Mair Rabbiner, der jung Mair und Vetterl, sowie die auswärtigen Salmon und Jösl verhaftet und vernommen. Ihre Aussagen widersprachen sich mehrfach, stimmen jedoch darin überein, daß der Schulklopf er Mändl die Hostien in die Synagoge gebracht und auf die Omed gelegt habe. Da habe der Veitl mit dem >Messer darein gestochen, dann sei Blut geflossen und die Gestalt eines Kindleins habe sich gezeigt. Später habe er die Hostien in einen Backofen geworfen, da seien zwei Engel — nach anderer Aussage zwei weiße Tauben — davon geflogen. Die Aussagen geschahen in „peinlicher Frage" d. h. unter der Folter, wenn sie z. T. auch „unbezwungen" wiederholt wurden. Die Protokollauszüge zeigen deutlich, daß man bei der Vernehmung nach Beziehung zu anderen Judengemeinden forschte. Wirklich sagten auch die Passauer Juden aus, daß sie je zwei Hostien nach Prag, Neustadt und Salzburg geschickt hätten; in letzterer Stadt hat zweifellos der Brief Kaiser Friedrichs III. vom 12. März 1478, worin er den Erzbischof vor einem Eingehen auf ungerechte Beschuldigungen warnte, das Ueberspringen des Judenprozesses verhindert.36) Die zweite Aussage des Eisengreishamer wurde vom fürstbischöflichen Marschall an den Stadtrat Regensburg gemeldet für weitere Verfolgungen;34) doch auch hier schlug ein Schreiben des Kaisers das Einschreiten nieder. Die Passauer Juden aber konnten in diesem Falle keinen kaiserlichen Schutz genießen, denn sie waren ja durch das Privileg von 1465 vollständig dem bischöflichen Gericht ausgeliefert. Den weiteren Verlauf des Prozesses berichten Lokalchroniken und ein gleichzeitiger Einblattdruck. In der Feste Oberhaus werden jetzt noch die hohen und luftigen „Judenkeller" gezeigt, Moritz Stern in der Monatsschrift Jeschurun 1928 S. 541 und 647 f. Irrig ist nur die Anschauung, daß vor dem Stadtgericht verhandelt worden sei; der Marschall ist Vorsitzender des Hofgerichtes und vor dieses gehörte als Religionsverbrechen der Hostienfrevel, außerdem waren die Juden ja infolge ihres damaligen Wohnsitzes vom Stadtgericht ausgenommen. 3<0 A. Altmann, S. 157. 134