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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1929-07-01 · Heft 2 (Juli 1929) · p. Seite 122

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1929-1930
Issue
Heft 2 (Juli 1929)
Article
Zur Geschichte der Juden in Passau
Date
1929-07-01
Page
Seite 122 (sequence 4)
Language
German
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W. M. Schmid. Zur Geschichte der Juden in Passau. gemeinden wie in Krems, St. Pölten, Wien, Wiener-Neustadt, Judenau bei Tulln (1155) usw. Das blieb nicht ohne Rückwirkung auf Passau, bezw. konnte nicht ohne Einverständnis des Bischofs von Passau geschehen, da ja z. B. St. Pölten eine passauische Stadt war. Tatsächlich nahmen die Juden in der bischöflichen Residenzstadt eine rechtlich wohl geschützte Stellung ein. So erscheint 1204 als einer der drei bischöflichen Mautner ein David judaeus; nach dem für die gegebene Zeit ungewöhnlichen Vornamen ist das wohl ein Jude gewesen. Damals wurden die einträglichen Stellen der Mautner, Richter und Münzmeister an kapitalkräftige Leute verliehen oder verpachtet, welche das Jahresergebnis ihres Amtes oft im Voraus erlegen mußten.2) Im Sommer 1210 entstand in Passau ein Aufruhr, bei dem die Juden mißhandelt und ihre Wohnungen geplündert wurden. Auf ihre Klage sprach ihnen der Bischof als Stadtherr eine Entschädigung von 400 Mark Silber zu, — eine für jene Zeit recht ansehnliche Summe, die er selber beglich; doch mußte er sich die Hälfte von drei reichen Bürgern vorstrecken lassen.3) Bischof Rüdiger schloß sich am 25. Juli 1244 einem zwischen Bayern und Salzburg verabredeten Landfrieden an, in dem u.a. das Zinsnehmen nur den Juden und zwar 2 Pfg. vom Pfund gestattet wurde. 1244 war dem Juden Isaac4) für eine Goldschuld von 15 Pfd. Pfg. das Haus des Patriziers Wilhelm auf dem Stein verpfändet; als die Witwe es zu einem Jahrtag in den Dom stiften will, erhebt er Einspruch, wird aber dann vom Domkapital befriedigt. Fürstbischof Otto van Lonsdorf versprach am 31. August 1260 seinen Juden in Pas sau, auf zwei Jahre weder Steuern noch Maut von ihnen zu verlangen, da sie ihm eine Beihilfe zum Rückkauf eines Zehenten gegeben hatten5). In Wien wurde im Mai 1267 eine Provinzialsynode des Erzbistums Salzburg abgehalten, die sich in mehreren Artikeln mit den Juden befaßte und frühere päpstliche Weisungen wie Synodalbeschlüsse zur Absperrung der Judenschaft von den christlichen Bürgern zur Durchführung befahl. Strengstens geboten war ihnen nunmehr das Tragen des gehörnten (spitzen) Hutes, verboten der Besuch der Gasthäuser und öffentlichen Badestuben, das Halten christlicher Dienstboten, das Fleischaustragen in der 40tägigen kirchlichen Fastenzeit u. a. m.6) Da nun das Bistum Passau zum Erzbistum Salzburg gehörte, sein Bischof auch an der Synode in Wien teilnahm, war er auch zur Durchführung ihrer Beschlüsse verpflichtet. Daß es damit nicht allzuscharf gehalten wurde, dürfen wir daraus schließen, daß auf den Passauer Bischofsstuhl fast ausschließlich österreichische Kandidaten erhoben und in Oesterreich damals die Juden äußerst wohlwollend behandelt wurden. Auch klagt eine wei- 2) So der Jude Schlom 1196 herzoglicher Münzmeister in Wien. Vancsa a. a. O., 387. 3) Mon. Boica 28 II, S. 137. 4) Hauptstaatsarchiv München: Passau Hochstift-Urkunden. 5) Mon. Boica 29 II. S. 163. 6) Ad. A 11 m a n n, Geschichte der Juden in Salzburg, S. 194. 122

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