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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1929-07-01 · Heft 2 (Juli 1929) · p. Seite 95

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1929-1930
Issue
Heft 2 (Juli 1929)
Article
Probleme der jüdischen Geschichtsphilosophie
Date
1929-07-01
Page
Seite 95 (sequence 7)
Language
German
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I. Elbogen. „Probleme der jüdischen Geschichtsphilosophie." 3. Die jüdische Geschichtsschreibung muß, wie jede andere, an der in der wissenschaftlichen Historiographie einzig zulässigen Methode, der historisch-kritischen, festhalten. Von welcher Seite auch die Schilderung einer Epoche der jüdischen Geschichte stammen mag, von jüdischer oder von christlicher, von philo- oder antisemitischer Seite, und welche Ziele ihre Verfasser auch verfolgen mögen, religiöse oder nationale, soziale oder politische — die Ergebnisse dieser Arbeiten müssen berücksichtigt und gebührlich bewertet werden, wenn die Forschung der historisch-kritischen Methode entsprechen und auf einer wissenschaftlich objektiven Grundlage beruhen soll. Gegen diese Thesen wird sich kaum etwas Stichhaltiges einwenden lassen, auch dann nicht, wenn man mit den Voraussetzungen des Verfassers nicht ganz übereinstimmt. Zu diesen gehören nicht nur die angeführten geschichtsphilosophischen Theorien, sondern auch seine Anschauungen über die Periodisierung der jüdischen Geschichte. Eine gewisse zeitliche Zusammenfassung der Ereignisse hält auch er für unentbehrlich und die Bestimmung der Perioden in zeitlicher Abfolge für natürlich, allein mit der gewohnten Einteilung der Geschichte in Altertum, Mittelalter und Neuzeit vermag er sich nicht zu befreunden. Auch nicht mit der Einteilung nach politischen Krisen, wie sie Graetz in der Zerstörung des Ersten und Zweiten Tempels sowie in der Vertreibung aus Spanien sieht; ebensowenig mit der von Dubnow, die dem geographischen Gesichtspunkt der Wanderungen der Juden folgt, weil die dort angenommenen Hegemonien in Wirklichkeit nicht existierten. Vielmehr will unser Verfasser die bereits oben erwähnten vier großen Zyklen annehmen, die ihm parallel mit der Weltzivilisation erscheinen und doch stets ihr Eigengepräge haben. Ob ihr Parallelismus wirklich so exakt nachweisbar ist, wie der Verfasser meint, das soll hier nicht untersucht werden. Die Unterabteilungen sind namentlich für den letzten Zyklus nur ganz allgemein bestimmt und sagen für den Inhalt dieser Abschnitte garnichts aus, weil, wie bereits eingangs bemerkt, der Verfasser wohl die Bedeutung der Diaspora mit Entschiedenheit bejaht, ihre eigenartigen Probleme aber nicht erkennt. Alles in allem darf man sagen, daß es keine welterschütternde Schrift ist, die uns vorliegt, daß sie aber eine ehrliche Auseinander-« setzung mit den Problemen anstrebt, zum Nachdenken und zur weiteren Arbeit anregt. > 95

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