Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 2 (Juli 1929)
- Article
- Probleme der jüdischen Geschichtsphilosophie
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 89 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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„Probleme der jüdischen Geschichtsphilosophie" von I. Elbogen Die Probleme der jüdischen Geschichte und Geschichtsschreibung finden in der einschlägigen Literatur so selten eine wissenschaftlich zureichende Behandlung, daß es geboten erscheint, dieses vor wenigen Tagen erschienene Buch1) hier sofort anzuzeigen und einer kurzen Besprechung zu unterziehen. Das Thema greift zeitlich und räumlich über die Aufgaben dieser Zeitschrift hinaus, und das ist ganz natürlich, wenn die jüdische Geschichte als Einheit betrachtet wird, — aber die Erörterung der Grundfragen der Auffassung der jüdischen Geschichte und der Aufgaben der jüdischen Geschichtsschreibung muß auch unserem begrenzten Stoffgebiet zugute kommen. Der Verfasser, der sich hinter dem Pseudonym „Malkizedek" verbirgt, ist kein Neuling in diesem Gebiete, er erwähnt von eigenen Schriften „Die geschichtsphilosophische Konstruktion der jüdischen Geschichte", „Die Grundideen des Judaismus", „Die Juden und der Antisemitismus", eine Handschrift „Hauptwege des jüdischen Volkes" sowie eine russische Uebersetzung von J. Darmsteter „La philosophie d'histoire du peuple juif". Freilich scheint er sich vorwiegend mit der Zeit der Staatlichkeit des jüdischen Volkes zu befassen, und an sie knüpfen auch die Auseinandersetzungen des vorliegenden Buches zumeist an, während die Zeit der Diaspora, und namentlich die im christlichen Abendlande, in seinen Erwägungen stark zurücktritt. Das hat eine gewisse Berechtigung; fraglos sind die Grundelemente und die Entwicklungstendenzen der jüdischen Geschichte in jener älteren Periode einfacher gelagert und klarer zu übersehen, dafür aber sind die der Diaspora reichlicher, verwickelter und für den Forscher reizvoller, und man muß sagen, daß der Verfasser dieser Partie der jüdischen Geschichte nicht ganz gerecht wird und die eigentümliche Problematik des Sich-Behauptenwollens inmitten von Unselbständigkeit und Abhängigkeit nicht recht sieht. Die Untersuchung geht von der richtigen Anschauung aus, daß „das jüdische Volk aus keinem andern Material als die andern Völker geschaffen worden ist; es war kein „Unikum" in der Welt, es war gleichzeitig Lehrer und Schüler der Völker; es war aber nicht der „höchste x) Probleme der jüdischen Geschichte und Oeschichtsphilosophie von Malkizedek. Uebersetzung aus dem Russischen von Dr. Elias Hurwicz, Jüdischer Verlag, Berlin, o.J., 128 SS. 89