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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1929-03-01 · Heft 1 (März 1929) · p. Seite 72

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1929-1930
Issue
Heft 1 (März 1929)
Article
[Rezension]
Date
1929-03-01
Page
Seite 72 (sequence 2)
Language
German
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VI „Das große Sanhedrin", Kapitel VII „Die administrativen Arbeiten der Versammlung", Kapitel VIII „Die Ausarbeitung der kaiserlichen Dekrete", Kapitel IX „Ein Regiment der Unterdrückung", (das Dekret des 17. März 1808, das von jüdischen Schriftstellern als „schmachvoll" gebrandmarkt worden ist) Kapitel X „Das Nachlassen der Willkürherrschaft", Kapitel XI „Die Rückkehr zur Gleichheit", Kapitel XII „Zwei Ergänzungsakte" (Das Gesetz vom 3. September 1807 über den gesetzlichen Zins und das Dekret vom 20. Juli 1808 über die Vornamen und Familiennamen der Juden), Kapitel XIII „Die Anwendung der Dekrete über die Organisation des Kultus", Kapitel XIV „Die Tätigkeit der Konsistorien". Einige der Kapitelüberschriften (so Kapitel III und Kapitel IX) deuten an, zu welcher Gesamtauffassung des Verhaltens Napoleons gegenüber den Juden der Verfasser sich bekennt. Er sagt selbst bei einem Rückblick S. 577 „Son opinion sur les Juifs etait superficielle et sommaire. II ne voyait en eux que des hommes avilis, repugnant au metier militaire, vivant d'expedients, volant PEtat comme fournisseurs et particuliers comme usuriers. Docile ä ses prejuges et aux conseils de son entourage d'ancien regime il voulut les ,punir*". Sans examiner la sincerite de leur civisme ni la verite des accusations portees contre eux, il entreprit de les ramener, bon gre mal gre, dans le droit chemin dont il les croyait ecartes. Les considerations de principe, les soucis d'equite furent sacrifies par lui sans hesitation et il imposa une legislation qui blessait la dignite des personnes et entravait Pactivite economique des Juifs au moment oü ils commencaient ä recueillir les fruits de la liberte (et ä s'elever vers des situations sociales que Poppression leur avait longtemps interdites". Man darf die Frage aufwerfen, ob dies uneingeschränkte Verdammungsurteil berechtigt ist. Gewiß: der eine eben zitierte Teil des Dekretes vom 30. Mai 1806 war eine gesetzwidrige ungerechtfertigte Maßregel. Aber sie sollte nur provisorische Giftigkeit haben und erklärte sich aus den speziellen Mißständen der Verhältnisse im Elsaß. Noch weniger entsprach das Dekret des Kaisers vom 17. März 1808 mit den die materielle Existenz und die Ehre vieler Tausender seiner jüd. Untertanen verletzenden Ausnahmebestimmungen den feierlich verkündeten Prinzipien der staatsbürgerl. Gleichheit. Indes zeitlich begrenzt, sollte es nach Napoleons freilich sehr anfechtbarer Meinung eine erzieherische Wirkung ausüben und büßte noch während der Herrschaft des Kaisertums einen Teil seines Geltungsbereiches ein. Jedenfalls geht es nicht an, Napoleon nur schlechtweg die Absicht der Verfolgung (S. 433 „intention de persecution") zuzuschreiben oder ihn zu einem Gegner der Gewissensfreiheit hinsichtlich der Juden (S. 100 „liberte de conscience") zu stempeln. Uebrigens ist es alles Lobes wert, wie viel Neues der Verfasser dem von seinen Vorgängern Geleisteten hinzugefügt hat. So korrigiert er S. 200 ff. das Datum der von Napoleon aus Polen Champagny übersandten wichtigen Instruktionen, das bisher auf den 21. November 1806 angesetzt war. Er weist nach, daß sie erst Ende Januar 1807 abgesandt und erst Mitte Februar 1807 in Paris angekommen sind. Er bringt eine Menge Einzelheiten über die Ernennung der jüdischen Notabein bei und zeigt z. B. (S. 133), welche Rolle der Marschall Kellermann dabei gespielt hat. Er berichtigt manche Angaben von Memoirenschreibern wie Mole, Pasquier, Chaptal (z.B. S. 79, 82, 217). Da das Napoleonische Kaiserreich, ganz abgesehen vom Elsaß, auch eine große Anzahl deutscher Juden umfaßte, so wird in dem Werk Anchels auch auf ihr Tun und Treiben, Denken und Dulden manches Streiflicht geworfen. So hören wir (S. 140, 141), daß sich unter den jüdischen Notabein von 1806, die ihrer Geschäfte wegen um Entlassung baten, ein Aron Friedberg befand, der in Bingen eine Barchent-Manufaktur mit mehreren hundert Arbeitern betrieb. Desgleichen beurlaubten sich Jakob Benjamin von Mainz, weil er für Beschaffung von Militärbetten für die 26. Division zu sorgen und Mayer Marx vom Rhein- und Moseldepartement, weil er die Bekleidung der Nationalgarde der Roer übernommen habe. Wir erfahren Einzelheiten über die Art und Weise der Aufbringung der Diäten für die Notabeln, wie z. B. derjenigen des Saargebietes (S. 150). Mehrfach ist so- 72

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