Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 1 (März 1929)
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 71 (sequence 3)
- Language
- German
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tiz zur Geschichte des jüdischen Gastwirtsgewerbes, über welches bisher nicht viel bekannt geworden ist (vgl. die kurzen Bemerkungen bei Robert Glücksmann, Das Gaststättenwesen; Stuttgart 1927, S. 189 Anm. 1 und Isidor Kracauer, Geschichte der Frankfurter Juden IL; Frankfurt am Main 1927, S. 285 ff.). Es ist der Hinweis auf den auch in den Meßlisten (S. 110 f. und 120), jedoch ohne nähere Berufsbezeichnung genannten jüdischen Garkoch Susmann Moses, der 33 Jahre als Schutzjude zu Halberstadt ansässig war und 1702 mit königlicher Genehmigung seinen Wohnsitz nach Neumarkt bei Halle verlegen durfte (Akten Rep. 52 N. 159 K1 b des Geheimen Staatsarchivs zu Berlin). In seinem bei den Akten erhaltenen Gesuche um Erteilung eines Schutzbriefes für Halle-Neumarkt gibt er selbst an, daß seine Profession in „Garkochen bei der Juden Gastereien und Hochzeiten als auch auf den Leipziger und Naumburger Messen bestand" und aus den Akten über seine Zulassung in Halle geht hervor, „daß er auch zu Braunschweig auf denen Messen kochet." Nach Freudenthals Angaben dürfte Susmann Moses nicht der einzige Vertreter des jüdischen Gastwirtsgewerbes auf den Leipziger Messen gewesen sein. Daß sich unter dem Meßzuzug auch mancher nicht handelnde Jude befand, wie Rabbiner und Schulmeister, namentlich aber Frauen neben manchen handeltreibenden Frauen, ist selbstverständlich. So bilden die Meßlisten mit ihren Namen und Herkunftsangaben eine reichhaltige Quelle auch für die jüdische Lokal- und Personengeschichte, nicht minder für die Gemeinde- und Familienforschung. Meine kürzlich erschienene sozial- und rechtsgeschichtliche Studie: „Die Anfänge der jüdischen Gemeinde zu Halle" (im Jahrbuch der Historischen Kommission für die Provinz Sachsen „Sachsen und Anhalt" 4 (1928), S. 132 ff.), für welche ich die Meßlisten nach Freudenthals Ausgabe bereits benützen konnte, dürfte ein deutliches Beispiel dafür sein, wie aufschlußreich und wertvoll sich für die verschiedenartigsten Forschungen zur Geschichte der Juden in Deutschland dieses neue Quellenwerk erweist. Jeder wissenschaftliche Be- 71 nützer wird dem Fleiße und der Sorgfalt des Herausgebers aufrichtigen Dank wissen. Professor Dr. Guido K i s c h - Halle. Robert Anchel, Docteur en Lettres, Archiviste aux Archives nationales: Napoleon et les Juifs. Paris. Les Presses Universitaires de France, 49 Boulevard St. Michel, 1928 XXXI und 598 S. Prix: 75 Francs. Der Gegenstand dieser ebenso umfangreichen wie fleißigen Pariser Doktor-Dissertation ist neuerdings mehrfach ausführlich behandelt worden. Vor allem kommt hier die Arbeit von P. Sagnac: Les Juifs et Napoleon in der Revue d'histoire moderne et contemporaine, Teil II und III, 1901/1902, in Betracht. Der Verfasser des vorliegenden Werkes verschweigt denn auch nicht, was er diesem Vorgänger schuldet. In dem höchst dankenswerten Literaturverzeichnis, das er seiner Darstellung vorausschickt, erklärt er geradezu, es wäre unnötig gewesen, das Thema nach Sagnac wieder aufzunehmen, wenn nicht nach Veröffentlichung von dessen Studie neue Akten ihren Weg in die Archives nationales gefunden hätten. In der Tat ruht ein Hauptwert seines Buches in der ausgiebigen Benutzung dieser Dokumente. Sie bestehen namentlich in Papieren der „Ancienne Direction des Cultes". Außer den reichen Beständen der Archives Nationales hat der Verfasser auch eine Anzahl von Departemental- und Municipal-Archiven durchforscht. Das genaue Register der von ihm ausgeschöpften urkundlichen Quellen füllt allein über acht Seiten. Gestützt auf ein so breites solides Fundament baut sich die Erzählung in klarer übersichtlicher Weise auf. Ein kurzes einleitendes Kapitel betrifft „Die Juden in Frankreich 1789 bis 1806". Kapitel II betitelt sich „Die Intervention des Kaisers", Kapitel III „Eine vorläufige Unterdrückung" (gemeint ist der Teil des Dekretes vom 30. Mai 1806, demgemäß jede Urteilsvollstrekkung in Sachen von Schulden, die nicht kaufmännische Landleute in den ländlichen Departements zu Gunsten von Juden eingegangen waren, auf ein Jahr hinausgeschoben wird). Kapitel IV „Die jüdische Versammlung von 1806" (die nach Paris berufene jüdische Notabelnversammlung) Kapitel