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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1929-03-01 · Heft 1 (März 1929) · p. Seite 44

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1929-1930
Issue
Heft 1 (März 1929)
Article
Die Verfassungsurkunde einer reichsritterlichen Judenschaft
Date
1929-03-01
Page
Seite 44 (sequence 1)
Language
German
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Die Verfassungsurkunde einer reichsritterlichen Judenschaft Das Kahlsbuch von Sugenheim von Max Freudenthal-Nürnberg Das Kahlsbuch (Kanal Gemeinde) der Judenschaft von Markt Sugenheim — jetzt zum Kreis Mittelfranken gehörig — aus dem Jahre 1756 bietet nach Inhalt und Form, besonders aber nach seiner rechtlichen Seite hin vielfaches Interesse. Gemeindeordnungen, Pinka (vom griechischen wva?, Schreibtafel, Buch) oder Tekanoth (Anordnungen) genannt, sind aus größeren jüdischen Gemeinden des Mittelalters mehrfach bekannt und veröffentlicht. Hier jedoch handelt es sich um eine ganz kleine Gemeinde, gleichsam um den Aufbau einer jüdischen Urzelle. Die Judenschaft zu Sugenheim bestand 1752 aus dreizehn1), nach Ziffer 23 des Kahlsbuch es 1756 aus zwölf Familien. Auch später zur Zeit ihrer Blüte war sie nicht groß. Zu Anbeginn des neunzehnten Jahrhunderts zählte der ganze Ort einschließlich der Juden 650 Seelen in ungefähr 160 Häusern2). Um 1840 waren es gegen zwanzig jüdische Mitglieder3), nach der letzten Ausgabe des Handbuchs der jüdischen Gemeindeverwaltung und Wohlfahrtspflege4) 58 Seelen mit 14 Zensiten bei gleichgebliebener Einwohnerzahl, nach der letzten Volkszählung 639 Seelen, darunter 56 jüdische. Gemäß dieser kleinen Gemeinschaft zeigt das Kahlsbuch einen sehr schlichten Aufbau des gemeindlichen Körpers der Judenschaft. Vorschriften über die Wahl und die Befugnisse der Gemeindevertretung und der Gemeindekörperschaften, die sonst in den Tekanoth der größeren Gemeinden einen breiten Raum einnehmen, fehlen gänzlich. Das Vorhandensein von Barnossen, richtig Parnasim (Parnes Vorsteher), und zwar nach Ziffer 17 von zweien an Zahl, wird ohne weiteres vorausgesetzt. Zu Anbeginn des neunzehnten Jahr- *) Staatsarchiv Nürnberg, Acta Bezirksamt Scheinfeld 212/14. 2) Geogr. Statist. Topogr. Lexikon von Franken, Band V, Ulm 1802, S.47S. 3) Acta der Kultusgemeinde Sugenheim. Nach Fuchs J. M., über die ersten Niederlassungen der Juden in Mittelfranken, im Jahresbericht des Historischen Vereins für Mittelfranken IX, 1838, Neudruck von Louis Lamm, Berlin 1909, S. 23 ff. waren es gegen 30 Familien. 4) Herausgegeben von dem Deutsch-Israeiitischen Gemeindebund und von der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden, Berlin, S. 103. 44

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