Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1929-1930
- Issue
- Heft 1 (März 1929)
- Article
- Die Geschichte der deutschen Juden in der historischen Forschung der letzten 35 Jahre
- Date
- 1929-03-01
- Page
- Seite 15 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Adolf Kober. Die Geschichte der Juden in der historischen Forschung der letzten 35 Jahre. ein wichtiger Schritt vorwärts getan worden. Seine Mitteilungen (seit 1909) — bisher sind 6 Bände erschienen — veröffentlichen Materialien in vorbildlicher Weise, geben Kenntnis von den jüdischen Beständen in deutschen Archiven, erörtern methodische Fragen und liefern einen Ueberblick über die Neuerscheinungen auf unserem Gebiete. Außerordentlich gefördert wurde die Erforschung unseres Gebietes durch die im Jahre 1902 begründete „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums", deren Veröffentlichungen entweder ganz, wie Süßmanns „Judenschuldentilgungen" (1907), die „Martin Philippson-Festschrift" (1916) und die „Germania Judaica" 1917, Freudenthal, Leipziger Meßgäste (1928), oder teilweise wie Caros „Wirtschaftsgeschichte" (2Bde. 1908, 1920) und Philippsons „Neueste Geschichte" (Bd. 1, 2; 1907, 1910) der Geschichte der deutschen Juden zugute kommen; ferner durch die „Akademie für die Wissenschaft des Judentums" seit 1919. Diese bereitet eine vierbändige Aktenpubldkation über den preußischien Staat und die Juden 1671—1812 vor, von der der erste Teil erschienen ist, und hat bereits B a e r, „das Protokollbuch der Landjudenschaft des Herzogtums Kleve" I (1912) herausgegeben. Vorbildlich ist die historische Kommission der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien, die seit 1908 „Quellen und Forschungen zur Geschichte der Juden Deutsch-Oesterreichs" in mustergiltiger Weise erscheinen läßt. Auch in den wissenschaftlichen Berichten der theologischen oder Lehranstalten für die Wissenschaft des Judentums, den Verwaltungs- oder Religionsschulberichten der Synagogengemeinden wie Breslau, Hannover, Königsberg, Magdeburg, ferner im Brannschen Kalender, in Gedenk- und Festschriften, wie dem David Kaufmann-Gedenkbuch (Breslau 1900), der Hermann Cohen-Festschrift-Judaica (1912), der schon erwähnten Martin Philippson-Festschrift, der „Festkrift" für David Simonsen (1923), finden sich Z. T. bedeutsame Beiträge zur Geschichte der deutschen Juden. Interessant ist es, feststellen zu können, daß schon vor dem Weltkrieg, insbesondere aber nach seiner Beendigung, an verschiedenen deutschen Universitäten wie Berlin, Breslau, Frankfurt, Freiburg, Heidelberg, Köln, München, Rostock Dissertationen aus unserem Gebiete erschienen sind. Daß in der allgemeinen und Spezialliteratur zur deutschen Geschichte sich manche interessante und wertvolle Ausführung oder Urkunde zur Geschichte der deutschen Juden findet, ist natürlich. Aber gerade hierbei hat sich der Mangel einer eigentlichen historischen Zeitschrift bemerkbar gemacht, die all dieses sorgsam registrierte. Welches sind nun die Ergebnisse der Forschung auf unserem Gebiete seit dem Aufhören der früheren Zeitschrift für Geschichte der Juden in Deutschland? Zunächst etv/as in methodischer Beziehung. Eugen Täubler hat in den Mitteilungen des Gesamtarchivs die Gesichtspunkte, unter welchen die Geschichte der Juden in Deutschland zu erforschen ist, näher festzustellen gesucht. „Die Erkenntnis der Geschichte der Juden in Deutschland muß . . in einer Mittellinie vorwärts streben, die ihre Richtung ebenso von der allgemeinen deutschen Geschichte, wie von der allgemeinen Geschichte der Juden 2 15