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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1888-01-01 · Heft 3 · p. Seite 392

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1888
Issue
Heft 3
Article
In Börnes Aufsatz: "Juden in Frankfurt a. M."
Date
1888-01-01
Page
Seite 392 (sequence 2)
Language
German
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392 Miscellen. logie, sprachen Deutsch wie Adelung, und aßen mehrere Sorten Wurst. Besonders in Spedition und Commission haben sie der Menschheit Ungeheuern Schaden zugefügt und hierdurch Europa in die Barbarei des Mittelalters zurückgeworfen. Aber der Tag der Erlösung nahte herbei; nach der Schlacht von Hanau erwachte die freie Stadt Frankfurt aus dem Siebenschlafe, und mit der neuen Ordnung der Dinge kehrten die Juden in die alte zurück. Diese wollten aber nicht von der Stelle und klagten beim hohen Bundestage. Hierauf sollten die Christen und Juden sich gütlich vergleichen '). Der Senat und der gesetzgebende Körper, beide von „übergroßer Freisinnigkeit" erfüllt, machten billige Vorschläge." „Darob2) erhob sich Hr. vr. der Rechte (beider) Ignatz M. Göll. In einer kleinen Schrift: „Gedanken über die Verhältnisse der hiesigen Judenschast" spricht der patriotische Mann ebenso verständig als wacker gegen die verderblichen Bewilligungen, die man den Juden geben will. Er sagt: man solle sich die bittere Reue ersparen . . . warnt vor übertriebener Freisinnigkeit . . . bedauert, daß die Frankfurter Bürgerschaft ihre Rechte gegen die ungünstigen Aussprüche des Bundestages nicht mit einem Allegat von 400000 Mann von allen Waffengattungen unterstützen könne . . . sagt, von der LebensklugheiL und Umsicht der Juden sei alles zu fürchten ... die Nachwelt werde ein schweres Gericht über ihre Namen ergehen lassen, wenn sie sich schwach zeigten, die Tücke, Arglist und Schadenfreude der Juden lauerten wie eine Schlange unter grünem Laube. . . die Juden nagten wie ein Krebsschaden an dem Marke der Christen, vorzüglich der Handelsleute und unter diesen vor allem der Ausschnitthändler (das Mark der Frankfurter Christen, vorzüglich der Handelsleute und unter diesen vor allem der Ausschnitthändler muß besonders lecker sein, denn anderwärts pflegt es der medicinische Krebs nicht zu berühren, da er nur ein Knochen und Fleisch fressendes Thier ist) . . . man sollte aus lauter Freisinnigkeit den Takt für den freien Athemzug der christlichen Bürger nicht verbieten (Takt für den freien Athemzug ist schön gesagt!) ... um der rächenden Nemesis zu genügen, werden unsere Kinder und Enkel in 20 Jahren vor den Juden more3 machen. (Die rächende Nemesis! Das war ungeschickt, Herr Ignatz M. Göll!) — Doch genug der Auszüge, die den herrlichen Geist, der in dieser kleinen Schrift niedergelegt ist, doch nicht wiederzugeben vermögen. Der Verfasser stellt sich als Redner und Rechtsgelehrter seinen großen Landsleuten, Goethe, Klinger, Feuerbach, Savigny, Kirchner und übrigen würdig an die Seite, ja er vereinigt sogar alle Geistesgaben, die Goethe Voltairen zuspricht: Tiefe, Genie, Anschauung, Erhabenheit, Naturell, Talent, Verdienst, Adel, Geist, schöner Geist, guter Geist, Gefühl, Sensibilität, Geschmack, guter Geschmack, Verstand, Richtigkeit, Schickliches, Ton, guter Ton, Hofton, Mannigfaltigkeit, Fülle, Reichthum, Fruchtbarkeit, Wärme, Magie, Anmuth, Grazien, Gefälligkeit, Leichtigkeit, Lebhaftigkeit, Feinheit, Brillantes, Saillantes, Petillantes Pikantes, De- ') Dieser Satz fehlt im Lit. Wochenbl. 2) Hier beginnt die nicht in die Werke übergegangene Stelle. 3) Der erste Druck hat irrthümlich Patillant'es.

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