Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 3
- Article
- Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüdische Dinge
- Date
- 1888-01-01
- Page
- Seite 380 (sequence 6)
- Language
- German
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380 Schnapper-Arndt, Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüd. Dinge. 1. Die Vorurtheile einer Gesellschaft können nicht von einem einzelnen zernichtet werden. (Die Gesellschaft Mosis). 2. Urtheilen heißt die Jdendität aufweisen eines Objekts mit seiner Idee. 3. Die Erkenntnis eines Dings auf eine blos empirische Weise — ohne Einsicht des Grundes — ist ein Vorurtheil. 4. Ein Vorurtheil zernichten, ist nicht Verneinung desjenigen Dinges, welches Objekt ist des Vorurtheils; sondern vielmehr Begründung desselben, durch Kundthuung der Idee, welche Vorbild ist des Dinges. 5. Die Möglichkeit unserer Zernichtung die ihren Grund hat in der Freiheit eines Menschen, mit dem Bewußtsein verbunden dieser Möglichkeit ist Haß. 6. Der Haß (5) zwischen Juden und Christen ist Vorurtheil (3). 7. Er muß zernichtet werden (4). 8. Der Haß zwischen Judenthum und Christenthum ist nothwendig, denn jedes um sein höchstes Leben zu erreichen erfordert den Untergang des andern. 9. Weil aber durch den Tod des Einen, das andere den Gipfel seines Lebens ersteigen würde, so müßte nothwendig der Tod des einen, den Untergang des andern nach sich ziehen. 10. Der Kampf muß also unterhalten werden. 11. Um den Haß (5) zwischen Judenthum und Christenthum dauernd zu machen, muß ein freundschaftliches Verhältnis zwischen Juden und Christen vermieden werden. 12. Es giebt ein allgemeines Leben und ein besonderes. 13. Wo das allgemeine Leben beschränkt wird, da tritt das besondere hervor. 14. Leben ist Differenz.