Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1888
- Issue
- Heft 3
- Article
- Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüdische Dinge
- Date
- 1888-01-01
- Page
- 375 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Jugendarbeiten Ludwig Gorne's über jüdische Dinge. (Aus dessen Nachlaß herausgegeben von G. Schnapper-Arndt.) I. Zn mehreren Heften dieser Zeitschrift werden einige bisher noch ungedruckte, theils unvollendete, theils vollendete Zugendarbeiten Ludwig Börne's über Juden und jüdische Angelegenheiten zur Veröffentlichung kommen. Der zunächst folgende Aufsatz „Die Juden in Frankfurt am Mahn" nimmt von zwei zu einem Quarthefte zusammengelegten Bogen elf gebrochene Seiten ein; er ist von Börners Hand geschrieben und paginirt. Die äußere Erscheinung der Piece wie der abrupte Schluß lassen beide nicht verkennen, daß ein Fragment vorliegt. Die Zeit der Abfassung ist mit ziemlicher Genauigkeit festzustellen. Der Aufsatz soll die Eindrücke eines Osterbesuches schildern, den Börne in seiner Heimach, während er noch Medicin studirte, gemacht hat; es wird weiterhin des großen Synhedrms in Paris als gleichzeitig tagend gedacht: nothwendig muß daher die von Börne nach Verlassen der Universität Halle und vor Bezug der Universität Heidelberg im Frühjahr 5 807 in Frankfurt zugebrachte Zeit als diejenige der Entstehung betrachtet werden. Im Uebrigen ist der Geist, welcher in dem Fragment herrscht, noch ganz auffallend übereinstimmend mit demjenigen, der sich in früheren, um zwei Jahre zurückliegenden Briefen Börners an Henriette Herz kundgiebt^). Es ist der Geist eines sehr jugendlichen Selbstgefühls, eines ausgesprochenen Bewußtseins der Ueberlegenheit über die heimischen Glaubensgenossen, eines Gefühls das sich in der hochgebildeten Umgebung, in welcher es Börne so frühe schon zu leben vergönnt war, durch den Contrast besonders stark hatte entwickeln müssen. Manche tief empfundene Stelle des Aussatzes läßt darum doch nicht, trotz des etwas übermüthigen Scherzes, das Herz verkennen, welches bald der Feder unerschrocken Worte zu Gunsten der gekränkten Menschenrechte eben dieser jüdischen Gemeinschaft diktiren sollte 2). Auch einzelne Wendungen und Jveengänge sind dem Aussatze und jenen Vriefstellen geradezu gemeinsam: hier wie dort spricht Börne von dem alten Geburtshaus, von den „schönen „Von Frankfurth" hatte Börne damals geschrieben, „werde ich Ihnen recht viel schreiben, wenn Sie's gern haben". (Halle, 28. März 1805.) Worauf Henriette Herz erwidert hatte: „Wohl will ich, daß Sie mir recht viel von Frankfurth schreiben sollen — recht ausführlich sollen Sie mir sagen, wie alles auf Sie wirkt". 2) In der Abhandlung, die in späteren Heften dieser Zeitschrift gebracht werden soll.