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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1888-01-01 · Heft 3 · p. 297

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1888
Issue
Heft 3
Article
Die Juden und die deutsche Literatur
Date
1888-01-01
Page
297 (sequence 1)
Language
German
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Die Juden und die deutsche Literatur. ^) Von Ludwig Geiger. 2. Darlegung des Standpunktes. Bei der Veröffentlichung der ersten Studie unter dem gemeinsamen Titel, welcher auch dieser Fortsetzung vorangestellt ist, glaubte ich von grundsätzlichen Erörterungen absehen zu dürfen. Der Character dieser Zeitschrift und meine, wie ich voraussetzte, sattsam bekannte Art, geschichtliche Dinge zu betrachten, sollte mich, wie ich hoffte, der Verpflichtung allgemeiner Erörterungen überheben. Da jedoch der Aufsatz, wenn er auch vielfach Billigung fand, in einzelnen Kreisen Gutgesinnter Befremden erregte und Mißverständnisse hervorrief, so scheint es mir gerathen, ja nothwendig, die allgemeine Betrachtung, die ich mir und den Lesern ersparen wollte, der ersten Studie nachfolgen zu lassen. Um aber die aufgetretenen Bedenken bestimmt zu formuliren, ziehe ich es vor, dieselben nicht mit meinen Worten zu geben, wodurch sie vielleicht an Schärfe verlieren könnten, sondern mit den Worten eines verehrten Freundes, der leider nicht mehr unter den Lebenden weilt. Ich gebe daher ein Stück seines Briefes vom 6. Mai 1887, und meine Antwort, die zunächst für ihn bestimmt war. Er schrieb: „Was den Gesichtspunkt der Abhandlung betrifft, so meine ich — und Andere hatten denselben Eindruck — daß die Objectivität zu weit getrieben ist oder vielmehr, daß es nicht wahrhaft objectiv ist, wenn wir — ähnlich wie die Antisemiten — specielle geschichtliche Untersuchungen darüber anstellen, wie Goethe u. a. über die Juden gedacht haben. Ich meine damit, daß wir uns — Juden und Nichtjuden — nicht auf den Standpunkt stellen dürfen, der indirect anerkennt, daß die Judenfrage etwas anderes sei, als die allgemeine Frage der Humanität, der bürgerlichen Gerechtigkeit oder der Confession. Zu einer Characteristik Goethes gehört gewiß auch, daß gezeigt werde, wie er über die Juden gedacht hat, die ja immer ein Prüfstein der humanen Gesinnung waren ') Vgl. ZeiLschr. Bd. I, S. 321-365. Zeitschrift f. d. Gesch. d. Juden i. Deutsch!. II, 20

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