Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Journal
- Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Volume
- XIV (1910)
- Issue
- 6 (November-Dezember 1910)
- Date
- 1910-11-01
- Page
- Seite 173 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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— m — bis auf eins ebenfalls 14ÖT! Solche verblüffende Resultate, auch wenn sie ganz und nicht fast genau sind, kann nur derjenige ernst nehmen, der nicht weiss, wie der Zufall irgendwie zusammengestellten Buchstaben öfters eine Bedeutung verleiht; das ist ja das Geheimnis der niederen Kabbala und der Zahlenmystik (vgl. z. B. Blau, in XLVII, 312—816). Und sollten auch die ergrübelten Data richtig sein, welchen Ereignissen konnten sie entsprechen! F. hat wie ein Laie in jüdischen Geschichten nachgeschlagen, aber das Ergebnis zeigt, wie unnötig die Erforschung war. Das . Breve von 1497 interessierte ausschliesslich die spanischen Marranenund ist nur ein Ring in der Kett ר von Händeln zwischen dem Papste, der spanischen Regierung und der Inquisition. Dass Julius II. dies Breve im J. 1508 aufgehoben haben mag, ist pure Hypothese, und dass er Verordnungen traf, damit die Juden am Tage seiner Krönung nicht gequält seien, hat nichts zu bedeuten. Keinesfalls sind also beide Data so hervorstechend, dass sie eine geschlossene Periode umgrenzen und dass man im J. 1503 daran hätte denken können, das Jahr 1497 zu verewigen. Wir sind über die Geschichte der Juden in Rom gut unterrichtet und wissen nicht dass irgend eine Begebenheit damals den Anlass zur Prägung einer Medaille gegeben hätte, auch nicht, dass je eine solche Medaille von ihnen geprägt wurde, oder dass sie einem Papste eine solche Huldigang dargebracht hätten (Die jedem neuen Papste dargebotenen Geschenke haben bekanntlich eine ändere Bedeutung). Sollte jedoch das Denkmal zu Ehren Julius II. gemeint sein, warum ist die Inschrift einer andern Persönlichkeit, nämlich Benjamin b. Elia Beer ha-Rofe gewidmet? Der Papst oder der Jude, wer ist gemeint? — Zu diesen historischen Schwierigkeiten kommen noch sprachliche Bedenken hinzu. בחק כל משמש bedeutet kaum ״alle Gerechtigkeit ist durch das Gesetz erwirkt (und nicht mehr durch die Willkür); בהשגחת אלי רומי bedeutet schwerlich ״dank dem Talent des Eli Romi“, abgesehen davon dass אלי kein Eigennamen ist; denn obwohl die Inschrift in einem ungemein schlechten Styl abgefasst ist, haben doch Worte wie הקץ und השגחה im Neuhebräischen einen wohlbestimmten Sinn. Auch sonst entspricht der Text nur mit grosser Gewalt dem darin hineingezwängten Gedanken. Die Worte Hiob, 19.25 und 14.13, dessen Anfangsbuchstaben um den Kopf zu lesen sind, passen da ebensowenig als der Kopf selbst, und noch weniger die lateinische Umschrift der Kehrseite. Die nüchterne Kritik kann sich unmöglich mit F’s Deutung der Medaille von Fourviäres zufrieden geben, so geistreich sie auch sein mag, öder weil sie 86 geistreich ist Es ist überhaupt höchst unwahrscheinlich, dass unsere Medaille mit irgend einem Vorgang aus der jüdischen Geschichte in Zusammenhang stehe. Näher läge es, wenn man die hebräische und die lateinische Inschrift, zusammengenommen in Betrachtung zieht, daran zu denken, dass sie die Gottseligkeit und" Unsterblichkeitshoffhung eines Kranken ausdrückt. Man muss aber auch zugeben, dass auch diese Erklärung nicht in allen Einzelheiten der Medaille gerecht wird, und wenn man an die zahlreichen Seltsamkeiten derselben denkt—das künstliche Hebräisch, das Cäsarenhaupt, die Zitierung nach der Vulgata, u. s. w. — so kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, dass hier eine Fälschung, und sogar eine Mystifikation vorliegt. Die Medaille von Föurviöres ist kein historisches Denkmal, sondern ein numismatisches Curiosum. — M, Liber],