Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Journal
- Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Volume
- XI (1907)
- Issue
- 6 (November-Dezember 1907)
- Date
- 1907-11-01
- Page
- Seite 169 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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169 IL ABTEILUNG. Ein anonymer handschriftlicher Kommentar zum Haehsor. Von Heinrich Gross. Das geistige Leben, das im Mittelälter in den jüdischen Gemeinden am Rheine kräftig pulsierte, ist, seitdem die bahnbrechenden Arbeiten des Meisters Zunz, des Pfadfinders der Wissenschaft des 'Judentums, erschienen sind, der Gegenstand der eingehendsten Forschung geworden. Letztere ist aber noch immer nicht ganz abgeschlossen, Längst versunkene Leichensteine werdeu ausgegraben und geben uns Kunde von den Männern, die in dem gesegneten, schönen Rheinlande unter dem Fluche der drückenden Vorurteile jener finstern Zeit in unerschütterlicher Treue gegen den Glauben ihrer Väter gelebt haben. Längst vergessene Namen von Gelehrten, die sich zu ihrer Zeit in den weitesten Kreisen eines grossen Rufes erfreuten, werden uns in der einen oder anderen Weise wieder ins Gedächtniss zurückgerufen. Längst verschollene Bücher werden aus dem Staube der Bibliotheken ans Tageslicht gezogen und legen Zeugniss ab von der ernsten Arbeit der jüdischen Wissenschaft der Vorzeit. Einem solchen Buche, das sich in einem seltenen, wertvollen Manuscripte erhalten hat, das mir die gelehrten Buchhändler Schwager und Fränkelin Husiatyn freundlich zur Einsicht überlassen haben, gilt die folgende Abhandlung: '1. Die hebräische Handschrift, fol. Pergament, 487 Blätter, be- Steht aus einem Machsor in punktierter Quadratschrift und einem Kommentare am breiten Rande in einer Kolumne oder in zwei Kolumnen in Raschischrift. Sie beginnt mit dem Piut אותו מבהלת zu Purim. Der Anfang mit den Piutim zu den vorhergehenden aus- ,"gezeichneten Sabbaten fehlt. Wir erfahren daher nichts über die Zeit, Heimat und Persönlichkeit des Ordners des Machsors und Verfassers des Kommentars. Das Machsor ms. das den ganzen Jahrescyklus umfasst, stimmt meistens mit dem deutschen Machsor überein. Etwa 20 Piutim finden sich nur innichdeutschen Machsorim und werden von Zunz in seiner ״Literaturgeschichte der synagogalen Poesie“ oder von Landshuth in seinem Amude ha-Aboda angeführt. Das Machsor ms. bietet selbst in den anderweitig bekannten Piutim mancherlei beachtenswerte Varianten, die zn besprechen uns zu weit führen würde• Solche Varianten finden sich besonders in der