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Zeitschrift für hebraeische Bibliographie · 1906-05-01 · 3 (Mai-Juni 1906) · p. Seite 89

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Journal
Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
Volume
X (1906)
Issue
3 (Mai-Juni 1906)
Date
1906-05-01
Page
Seite 89 (sequence 25)
Language
German
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89 Miszellen und Notizen von M. Steinschneider. 92. Geniza oder Genisa (מיוה) ist seit einigen Jahren ein in der hebräischen Bibliographie eingebürgerter, eine hervorragende Stelle beanspruchender Name, über dessen Herkunft, Sinn und Bedeutung ein Wort der Verständigung erforderlich scheint. Der beinahe identische Lautcomplex כנס ,כנז ,גנז in den semitischen Dialekten hat vielleicht etymologisch den sinnlichen Grund• begriff verscharren, der schon auf der Kulturstufe des Nomadentums möglich war. Daraus entwickelten sich die abstrakten Begriffe: bewahren (einen Schatz), bergen, verbergen, beseitigen. ביית גניזה ist eine Schatzkammer, s. J. Lewy, Neuhebr. und chald. Wörterb. 1,346. Daselbst wird auch die Wurzel חסן herangezogen, als ״Ver- Wandlung und Versetzung der Buchstaben dann ist das arab. צזן, wovon auch unser ״Magazin“ abstammt, als Mittelglied heranzuziehen, wie es schon in Gesenius, Wrtb. unter .חסן geschieht, ״Geniza“ ist aber jetzt eigentlich . ein geographischer Eigennamen geworden, die Bezeichnung einer Stelle in Kairo, wo man seit Jahrhunderten unbrauchbare Fragmente und Beste von hebr. Handschriften and Drucken bei Seite geschafft hat, nicht am sie aufzubewahren (zu eventueller Benutzung), oder um sie zu verbergen, nur in Geheim zu benutzen, sondern aus Pietät, um sie vor Verbrennung, vor Entweihung der etwa in ihnen vorkommendeu Gottesnamen (שמות) durch eine unästhetische oder profane Ver- Wendung zu schützen. Solche Sammelplätze, teils Begräbnisplätze, gibt es allenthalben, unt. And. unter dem Dache der Prager Altneuschule (Synagoge), wo Manches von typographischem Interesse lange Zeit durch die Legende vom ״Golem“ (Mann aus Lehm, Fabrikat des ״hohen“ K. Löw) vorNeugierdo geschützt war, vielleicht noch jetzt ist? (Herr Dr. ürody könnte uns darüber belehren.) Die Fragmente und Beste nennt man ״Schemot“ (Vorles. über die Kunde hebr. Handschr. S, 57).1) Strack (Sprüche Jesus’ d. S. Sirachs, Leipz. 1902 S. IV) erklärt Geniza durch ״Bumpelkammer“, was eben so wenig geeignet ist, eine angemessene Vorstellung von der Sache hervorzurufen als irgend ein einzelnes deutsches Wort, weil die Sache selbst ausschliesslich in jüdischen Kreisen existirt. Hieraus ergibt sich, dass die Behauptung Hirschfeld’s (ZDMG. Bd. 60 S. 396) ״diese so lange versteckt gehaltenen Sammlungen haben selber eine Geschieht«, in welcher wahrscheinlich nicht bloss Zufall mifgespielt hat“, u. s. w. u. s. w., weder logisch noch x) Die ״Gueniza“ (!) in Lublin (Revue d. Et. J. L, 84) wird begraben.

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