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Zeitschrift für hebraeische Bibliographie · 1906-01-01 · 1/2 (Januar-Februar 1906) · p. Seite 2

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Journal
Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
Volume
X (1906)
Issue
1/2 (Januar-Februar 1906)
Date
1906-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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[Hebräische Briefsammlungen von italienischen Rabbinern und Gelehrten aus dem XVI. und XVII. Jahrh. sind handschriftlich zahlreich vorhanden, aber fast alle leiden an einem bedauerlichen Fehler, der ihre Benutzbarkeit für4die Zwecke der jüdischen Geschichtsforschung sehr erschwert und stark verringert. In fast allen derartigen Aufzeichnungen sind fast sämtliche Personennamen, fast sämtliche Orts- und Zeitangaben absichtlich weggelassen. Kein geschichtliches Interesse sondern einzig und allein die Freude an der Stilform hat dazu geführt-, Ab- Schriften von Briefen zu einer Sammlung zu vereinigen. Nur ganz ausnahmsweise haben sich Briefsammlungen ohne die üblichen Weglassungen erhalten. Solche Ausnahme findet sich natürlich dort, wo der Brief- Schreiber selbst die Blätter mit den Concepten oder den genauen Copien der abgesandten Briefe zu einem Ganzen vereinigt hat. Das ist bei den schriftlichen Aufzeichnungen Leo Modena’s der Fall, mit deren Veröffentlichung nach zwei Mss. des Brit. Mus. der gelehrte Herausgeber sich ein Verdienst um die jüdische Wissenschaft erworben hat. Der hebräische Text ist durchweg mit hebräischen Fussnoten versehen, die durch zahlreiche meist zutreffende Textesverbesserungen, Erläuterangen und Nachweisungen das Verständnis vermitteln und die Benutzbarkeit des Buches wesentlich erleichtern und erhöhen. Zum Schlüsse sind neben Zusätzen des Herausgebers nachträgliche Bemerkungen von Jare-Ferrara und die üblichen Indices hinzugefügt* Dem hebräischen Teil geht ein deutscher voraus, der 7 Capp. umfasst. Cap. I enthält die Einleitung, II handelt von den als Vorlage benutzten Handschriften, III von dem Stil der Sammlung, IV von den poetischen Stücken, V gibt eine gedrängte Inhaltsangabe einer jeden der 214 Nummern, VI einiges zur Biographie Leo Modena’s, VII beleuchtet Leo’s Stellung zum Talmud. Die schriftlichen Aufzeichnungen Leo Modena’s, die hier zum ersten Male mit grosser Sorgfalt abgedruckt sind, bilden eine wertvolle Bereicherung unserer Kenntnis der Zustände, Anschauungen und Sitten, die unter den italienischen Juden des XV]. und XVII. Jahrh. im Privat- und Gemeindeleben, auf religiösem und profanem Gebiete, im Verkehr mit Glaubensgenossen und mit Nichtjuden geherrscht haben. Aber nicht allein vom historischen und culturgeschichtlichen Standpunkte sondern auch von der stilistischen Seite betrachtet, sind die Briefe Modena’s wertvoll und interessant. Denn der Verfasser war ein Meister des hebräischen Musivstils, ein souveräner Beherrscher der hebräischen Sprache, dem eine Fülle von Wortspielen aus der leichten Feder floss, die er im Reim und Prosa spielend bewältigte, was anderen gewandten Stilisten unüberwindliche Schwierigkeiten bereitet hätte. Zu bedauern ist, dass die erhaltenen Schriftstücke aus den Jahren 1574•—1608 und von 1639—40 eine Lücke von 80 Jahren aufweisen und dass, wie der Herausgeber I, S. 10 ausführt, überhaupt der weitaus grössere Teil von Leo’s Privatskripturen verloren gegangen ist. Zu bedauern ist übrigens auch, dass die Veröffentlichung der zu einigen hebräischen Stücken gehörenden, oder sonst mit eingeflochtenen italienischen AufzeichnuDgen unterblieben ist. Ich gehe wohl nicht fehl mit der Annähme, dass gerade diese nichthebräischen Stücke besonders ein culturgeschichtliches Interesse für sich beanspruchen dürfen. Neben der höchst dankenswerten Veröffentlichung des hebräischen Textes scheint mir am wertvollsten und wichtigsten Cap. VII des deutschen Teils, S. 85 ff., worin Leo Modena in seiner Stellung zum Talmud uns in einem weit günstigeren Lichte gezeigt wird, als die bisherigen Darstellungen [von Reggio, Geiger und Grätz über diese Seite der schriftstellerischen T&-

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