Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Journal
- Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Volume
- IX (1905)
- Issue
- 1 (Januar-Februar 1905)
- Date
- 1905-01-01
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Kanzlers Raüm, dass ihr Anlangen in Böhmen ein höchst elender Zustand gewesen sein müsse“; er erfindet diese eilige Flucht, um eine Beschönigung des an den Juden verübten Raubes sanktionieren zu können. S. 3 citiert der Verfasser, ein böhmischer Rabbiner, die in Prager Scheidebriefen angewendete Schreibung des Ausstellungsortes nach Fogesü Von der sonderbaren Logik, die dazu gehört, aus der Formel: ״Praga das genannt wird Mezigrade am Flusse Wltawa und Botic“ zu entnehmen, dass Mezigrade oder Wysehrad — übrigens zwei grundverschiedene Namen — die Grundbezeichnüng, Praga aber nur eine diesem Hauptorte angereihte Kolonie bezeichne, will ich gar nicht sprechen. St. stellt mitunter die unbegründetsten Hypothesen auf. Der einmal vorkommende Name ״Reichmann“ beweist ihm (S. 6), dass die Kleinseitner Judenkolonie aus deutschen Einwanderern bestand. Mangelndes Verständnis lässt St. (S. 9) die in Cosmas n mitgeteilte Tatsache von dem christlichen Altar in der (selbstverständlich ehemaligen) Synagoge mit 2 Rufzeichen begleiten. Dass der Verfasser selbst die spärlichen Vorarbeiten nicht kennt, zeigt er, wenn er die Selicha אנא אלהי אברהם dem Sohne Abidgor Kara’s zuschreibt (S. 21), was Hock schon längst widerlegt hat. Bei der Geschichte der Gemeinde Budweis wird nichts davon erwähnt, dass schon Israel Bruna in seinen RGA diese Gemeinde im Jahre 1450 kennt, ebensowenig erfahren wir von den grossen Streitigkeiten in der Prager Judengemeinde, über die sich Ausführliches in den RGA Bruna’s und Isserls findet. Der Verfasser scheint eben hebräische Quellen gar nicht zu kennen, sonst würde er auch nicht so apodiktisch von zwei jüdischen Senaten sprechen, während ihm doch die Approbation zum Prager Drucke des תורת חיים gezeigt hätte, dass es, mindestens zeitweilig, vier solcher Senate gab. Ueber die Altneuschul äussert sichSt.: ״Die innere Einrichtung dieser Synagoge weist auf spanische Juden hin; die Namen u. die gesellschaftlichen Verhältnisse deuten auf aus Polen eingewanderte Juden.“ Der erste Satz ist, wenn auch* sehr zweifelhaft, doch wenigstens verständlich; was versteht aber der Verfasser unter ״Namen und Verhältnisse“? Die Namen und Verhältnisse der älteren Zeit sind meines Wissens herzlich wenig bekannt, die der neueren sind ja für die Gründungszeit der Synagoge — die übrigens durchaus nicht die älteste Prager Synagoge sein muss — ganz belanglos. Oder hatVerf. diese Stelle schon dazu benützt, seine Wut gegen die Polen und Ungarn, besonders aber Rumänen und Russen, hervorbrechen zu lassen? Die Juden dieser Länder ziehen sich den Hass des Verfassers durch ihre besondere Befähigung als Beamte im jüd. Kultus zu. Aus der Luft gegriffen und unwahrscheinlich ist die Behauptung, dass der Prager Rabbiner Abraham ben Abigdor ein Urenkel Abigdor Kara’s sei (S. 60). Die bekannte Hypothese Grätz’ von dem unerfreulichen Ausgange der Unterredung des hohen R. Löwe mit Kaiser Rudolf gibt St. (S. 69) wieder, ohne auch nur auf das in Pereies, מגלת יוחסין, über diese Unterredung Mitgeteilte einzugehen. Komisch berührt es, zu lesen, das R. Löwe, der Sagenumsponnene des mittelalterlichen Ghettos, wie die meisten hervorragenden Persönlichkeiten früherer Jahrhunderte durch mannigfache Sagen glorificiert wurde (S. 69). Auf Seite 74 weist St. die Annahme zurück, dass Jakob Basschevvi das Münzregal in Regie gehabt habe, während doch heute feststeht, dass ßasschewi dem berüchtigten Münzkonsortium, an dessen Spitze Fürst Liechtenstein stand, angehörte. Die Ausführungen des Verf. auf Seite 81 über das Recht, christliche Gesellen zu halten, sind höchst mangelhaft. St. beniüht