Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Journal
- Zeitschrift für hebraeische Bibliographie
- Volume
- VIII (1904)
- Issue
- 6 (November-Dezember 1904)
- Date
- 1904-11-01
- Page
- Seite 162 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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162 [׳Das Unternehmen des Herrn Kahan schreitet rüstig fort; nur wenige Wochen nach dem Psalmenkommentar von Chajes (oben S. 2ff.) ist ein neuer Band erschienen: das erste Buch Mosis mit der Erklärung des Herausgebers. Der Mut und die Energie in der Veröffentlichung des wissenschaftlichen Bibelkommentars verdienen die vollste Anerkennung und könnten dem Werke zahlreiche Freunde erwerben. Um so schmerzlicher ist es erklären zu müssen, dass der Inhalt des neuen Bandes vollständig enttäuscht und der Förderung des Werkes wenig günstig ist. Man muss Herrn Kahan zugesteben, dass er sehr fleissig gearbeitet hat; es soll rückhaltlos anerkannt werden, dass er mit der einschlägigen exegetischen Literatur sich gründlich vertraut gemacht hat. Man darf ihm wohl glauben, wenn er im Vorwort erklärt, ״alle Erklärungen die vom Talmud und Midrasch an bis auf unsere Tage von. jüdischen und christlichen Autoren gegeben worden sind, durchstudiert, die Uebersetzungen von den LXX, der Peschitto, Onkelos und Jonatan bis zu den jüngsten Uebertragungen herab benutzt, und die griechische und römische Literatur nicht minder als die Keilschriftberichte verwertet zu haben“. Es fehlt in der Tat auf diesem Gebiete nichts, die neuesten Resultate der babylonischen Ausgrabungen, selbst der Codex des Hammurabi, sind sehr häufig zur Vergleichung herangezogen. Aber bei aller Anerkennung des Fleisses und der Gelehrsamkeit müssen wir den Kommentar ab lehnen. Herr Kahan stellt sich, wie das nicht anders zu erwarten war, auf den Standpunkt der äugenblicklich vorherrschenden Scheidung der Quellen der Genesis in J EP. Eine ausführliche Einleitung, die diesen Standpunkt begründet, fehlt zunächst noch, sie soll mit dem Kommentar zu שמות erscheinen. Der Verf. glaubte sehr kritisch zu verfahren, indem er sich an die allerneueste Auffassung und die extremste Zerstückelung des Bibeltextes anschloss, aber sein Kommentar ist gerade dadurch recht unkritisch geworden. Herr Kahan hat an Gunkel’s Genesis (in Nowack’s Handkommentar, II. Aufl., Göttingen 1902) soviel Gefallen gefunden, dass er dieses Werk zugrunde legte und davor das eigene Urteil und das selbständige Arbeiten so gut wie völlig zurückdrängte. Den Eindruck, den Gunkel’s Auffassung der Erzählungen der Genesis auf ihn machte, spricht der Verf. einmal gelegentlich im Kommentar in den Worten aus גוגקל אשר שאר רוח לו בכלל להבין ולטעם בספודי ימי קדם (Ö. 62); 80 folgt er denn Gunkel durchgehend in der Quellenscheidang, eignet sich dessen Mythentheorie überall an, die Einteilung der Abschnitte und die Ueber- Schriften, alles entstammt derselben Quelle. Auch der ganze Charakter des Kommentars entspricht Gunkel’s Erklärungsweise, das ]Einzelne ist wenig berücksichtigt, der Zusammenhang vorwiegend beachtet. Ja, bis auf den Ausdruck stimmen die Erklärungen meist überein, ich will mit Beispielen nicht ermüden und setze aus der grossen Fülle der Belegstellen nur 2 hierher. Zu I M. 18,28 התשחית בחמשה'את בל העיר heisst es *): bei Kahan S. 57 בחמשה. בעבור חמשת החסרים; לפי הגיוננו אנו הוא פלפול: לא בגלל החמשה (החסרים) משחית ה׳ את סרס אלא בגלל המון החוטאים אשר בקרבה. ג) Der Sperrdruck findet sich nicht in den Originalen. bei £ linke 1 S. 181 ״Willst du um fünf willen die ganze Stadt vernichten?“ ist nach unsern Begriffen sophistisch; denn Jahve vernichtet den Ort ja nicht der fehlenden Fünf wegen, sondern wegen der grossen sündigen Menge.